Debatte zur Fachregierungserklärung Innere Sicherheit im Sächsischen Landtag am 24. Oktober 2001
Redebeitrag des Vorsitzenden der CDU-Fraktion, Dr.Fritz
Hähle MdL
Redebeitrag des Vorsitzenden der CDU Sachsen,
Prof.Dr.Georg Milbradt MdL
Dr.Fritz
Hähle:
Herr
Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Der Debattenbeitrag der PDS
zur Fachregierungserklärung Innere Sicherheit hat deutlich die unterschiedlichen
Positionen zur Auffassung der beiden anderen im Landtag vertretenen Parteien
gezeigt. So könnte man zunächst sagen, unterschiedliche Positionen sind etwas
ganz Normales in der Demokratie.
Allerdings
muß auch die Frage nach den Gemeinsamkeiten, nach dem Grundkonsens erlaubt
sein, besonders in Zeiten der äußeren und inneren Bedrohung. Dann muß sich zeigen,
ob es eine gemeinsame Wertegrundlage gibt und den gemeinsamen Willen, diese zu
verteidigen.
Verteidigung
der Freiheit und der Menschenrechte – darum geht es im Wesentlichen – müssen
sicherlich nicht zugleich und zwingend den Einsatz militärischer Mittel
erforderlich machen, diese aber von vornherein oder generell auszuschließen,
heißt Selbstaufgabe.
Niemand
will Krieg. Niemand ist glücklich darüber, daß auf Afghanistan Bomben fallen. Jeder
weiß, daß es trotz großer Anstrengungen, möglichst zielgenau nur militärische
Einrichtungen zu treffen, auch immer Opfer unter der Zivilbevölkerung gibt.
Deshalb wird von nicht wenigen auch außerhalb der PDS die Forderung erhoben,
auf Gewalt ganz zu verzichten. Das klingt gut und kommt der Friedenssehnsucht
der Menschen entgegen. Die PDS – das wissen wir – versucht gerade daraus für
sich Kapital zu schlagen – nicht ganz erfolglos, wie die jüngsten
Wahlergebnisse in Berlin zeigen. Man muß sich allerdings fragen, wie es denn
zusammenpassen könnte, wenn im Abgeordnetenhaus von Berlin eine rot-rote
Koalition entstünde, wie dann die Zusammenarbeit zweier Parteien mit geradezu
konträren Auffassungen in grundlegenden außenpolitischen und
sicherheitspolitischen Fragen funktionieren könnte. Diese Frage muß sich die
Berliner SPD oder die SPD in Deutschland überhaupt stellen, denn es gibt einen
engen Zusammenhang von äußerer und innerer Sicherheit.
Wie
steht die PDS zum Leitbild der wehrhaften Demokratie? Diese Frage müssen wir
stellen. Zum demokratischen Grundkonsens gehört unbedingt, daß es die
vordringlichste und wichtigste Aufgabe des Staates ist, seinen Bürgerinnen und
Bürgern sichere Lebensverhältnisse zu garantieren. Deshalb treten in einer
Situation wie der gegenwärtigen andere Aufgaben des Staates etwas in den
Hintergrund oder, besser gesagt, jetzt tritt wieder verstärkt ins Bewußtsein,
was lange Zeit in völliger Verkennung der Realität als eher unnötig angesehen
wurde: die Wachsamkeit. Eigentlich gab es schon vor dem 11. September 2001
genügend Warnungen vor einer neuen Gefahr, der Gefahr, die von Terroristen
ausgeht, die weder mit Appellen, Drohungen oder Sozialprogrammen zu
beeinflussen sind, deren Handeln vielmehr vom Hass bestimmt ist, und zwar vom
Hass gegen die westliche Welt. Osama bin Laden hat nicht nur Amerika den Krieg
erklärt, sondern genauere Übersetzungen seiner Äußerungen zeigen, daß er einen
Krieg gegen Juden und Christen meint. Ist das aber nicht seit langem bekannt?
Wie
konnte sich angesichts dessen so große Sorglosigkeit, ja Leichtfertigkeit breit
machen? Vielleicht ist auch die Rede vom „Aufstand der Anständigen“, die ja auf
Kanzler Schröder zurückgeht, eine der Ursachen dafür. Was da gemeint war, hat
sich durch große Einseitigkeit ausgezeichnet. Mit einem Auge sieht man nun
einmal schlechter als mit beiden. Bündnis gegen Rechts hieß die Devise noch vor
kurzem. Wir erinnern uns. Man mußte ja schon regelrecht befürchten, daß alles,
was nicht bei der SPD oder links davon stand, mit in diesen Topf geworfen
werden sollte. Linksextremismus, kriminelle Ausländer, das waren bis vor kurzem
doch Tabuthemen in Deutschland.
Kein
Geringerer als Professor Bassam Tibi, ein Gelehrter islamischen Glaubens – er
lehrt internationale Beziehungen an der Universität Göttingen –, schrieb Anfang
des Jahres in der„Welt“ über die Schändung der Synagoge in Düsseldorf und fünf
Tage darauf von Essen: „Im Gegensatz zu Düsseldorf waren die Täter von Essen
dem Äußeren nach als Islamisten erkennbar. Ich vermißte damals jedoch eine
vergleichbare Empörung unter den Deutschen, obwohl der Schaden und die
Aggressivität von Essen erheblich größer waren als in Düsseldorf. Ich frage
mich“, so Professor Tibi, „ob Deutsche und Demokraten die Rechtsradikalen nur
mitten unter sich suchen und hierbei alle anderen übersehen, wenn diese
Ausländer sind? Was für ein Augenmaß ist das? Was für ein Demokratieverständnis
offenbart sich hier?“ Soweit Professor Bassam Tibi.
Meine
sehr geehrten Damen und Herren! Es bedarf leider erst furchtbarer Ereignisse,
um die Welt wachzurütteln und die Gesellschaft außerhalb der gewohnten Bahnen
zum Nachdenken anzuregen. Der 11. September 2001 hat in diesem Sinne die Welt
tatsächlich verändert. Der Trauer und der Betroffenheit angesichts der
menschenverachtenden Terrorangriffe auf New York und Washington folgt nun die
Sorge, daß es weit reichende Folgen bis hin zu einem neuen Weltkrieg geben
könnte. Die allgemein empfundene Bedrohung hat immerhin zu einem erstaunlich
schnellen Reagieren der Politik geführt, zumindest was die Worte betrifft.
Heilige Kühe wie Datenschutz, Bankgeheimnis und Telefonüberwachungsverbot
scheinen über Nacht quasi zum Schlachten freigegeben zu sein.
Man
stelle sich nur vor, solches wäre von jemandem vor dem 11.9.2001 gefordert
worden. Nun zeigt sich allerdings auch deutlich, daß es nicht nur ein Spannungsfeld
zwischen Freiheit und Gleichheit gibt, sondern auch ein Spannungsfeld zwischen
Freiheit und Sicherheit. Mehr Sicherheit, das spüren wir in diesen Tagen,
bedeutet weniger Freiheit. Solange die Bedrohung allerdings akut erscheint,
wird die Mehrheit der Bevölkerung das Schwergewicht bei der Sicherheit sehen;
denn so sehr sich Fluggäste durch verschärfte Kontrollen belästigt sehen,
werden sie es als Maßnahme für ihre eigene Sicherheit akzeptieren.
Da
es sich hier, wie bereits erwähnt, um eine originäre Aufgabe des Staates
handelt, wird die Politik diesem Sicherheitsbedürfnis Rechnung tragen müssen,
ob wir es wollen oder ob wir es nicht wollen. Und daß Demokratie wehrhaft sein
muß, ist keine neue Erkenntnis. Hier hat die CDU, davon ist bereits die Rede gewesen,
schon seit längerem auf die Notwendigkeit eines konsequenteren Vorgehens des
Staates gegen das organisierte Verbrechen hingewiesen. Es gibt jetzt diese
Chance, daß sich
politische
Mehrheiten zur Durchsetzung solcher Forderungen finden. Daß sich deswegen die
Bundesrepublik Deutschland zu einem Überwachungsstaat à la DDR entwickelt, ist
indessen auf gar keinen Fall zu befürchten. Wer das verkündet, macht Panik. Das
Grundgesetz setzt dem Staat hier deutliche Grenzen. Wer bereit ist sich an die
Verfassung und die Gesetze zu halten, wird ohnehin keine großen Probleme mit
diesen Vorschlägen haben.
Was
ist also zu tun? Ich meine, die Staatsgewalt muß zunächst im Innern dafür
sorgen, daß es keine rechtsfreien Räume im eigenen Land gibt. Ebenso muß
verhindert werden, daß sich innerhalb Deutschlands Enklaven bilden, in denen
eine andere Rechtsordnung herrscht als die nach dem Grundgesetz allgemein
verbindliche. Gerade weil es hier schon erhebliche praktische Probleme gibt –
vielleicht nicht gerade in Sachsen, aber durchaus verbreitet in Deutschland –,
muß alsbald gehandelt werden.
Auch
für die Außen- und Sicherheitspolitik ergeben sich neue Maßstäbe. Deutschland
ist Mitglied der Nato. Am 2. Oktober hat die Nato erstmals in ihrer Geschichte den
Bündnisfall erklärt. Das heißt, daß deutsche Soldaten nicht nur an
friedenserhaltenden Maßnahmen, sondern auch an friedenserzwingenden Einsätzen
beteiligt werden können. Hier werden sich, das haben wir heute schon im ersten
Teil der Debatte gespürt, sehr schnell die Geister scheiden. Bündnis 90/Die
Grünen werden wahrscheinlich in eine neue Zerreißprobe darüber geraten.
Die
PDS hat die pazifistische Karte gezogen. Das ist sehr praktisch.
Friedensbewegungen alter und neuer Prägung protestieren, weil die Nato nunmehr
auch militärische Aktionen durchführt, um den Terror zu stoppen. Diese haben
das vorrangige Ziel, die Schuldigen der Anschläge von New York und Washington
zu ergreifen. Daß das notwendig ist, darin sind sich wieder alle einig. Wie man
es aber bewerkstelligen soll, darüber gibt es unterschiedliche Auffassungen.
Obwohl sich niemand ein militärisches Eingreifen gewünscht hat, kann das – ich
wiederhole es – als letztes Mittel nicht ausgeschlossen werden. Die Geschichte
lehrt, meine Damen und Herren, daß ein zu spätes Vorgehen gegen ein
verbrecherisches Regime oder gegen Terrororganisationen meist verheerende
Folgen hatte, deren Abwendung mit
sehr
viel mehr Opfern erkauft werden mußte, als wenn man sofort gehandelt hätte.
Die
These, die jetzt auch von einigen jungen Leuten vertreten wird, daß Freiheit
und Frieden nicht mit Waffengewalt erzwungen werden könnten, ist – wie ich
meine – eindeutig falsch. Dem Hitlerregime konnte man letztlich auch nicht mit
friedlichen Mitteln und der Hoffnung auf Einsicht beikommen.
Neben
der gemeinsamen militärischen Verantwortung der Nato und einer neuen Qualität
der Zusammenarbeit der Geheimdienste werden künftig auch wieder größere
Anstrengungen bei der Entwicklungshilfe notwendig sein. Ich habe schon mehrfach
darauf hingewiesen, daß hier in den vergangenen Jahren etwas Wesentliches
vernachlässigt worden ist. Darüber hinaus – das muß hinzutreten – sollen die
diplomatischen Bemühungen mehr als bisher darauf gerichtet sein, gemäßigte
Regierungen zu stabilisieren und für ein Antiterrorbündnis zu gewinnen. Ich bin
auch der Überzeugung, daß die Osterweiterung der Europäischen Union durch die
Ereignisse neue
Dynamik
bekommen wird. Ich denke, wir sollten uns wohl eher auf eine Beschleunigung des
Erweiterungsprozesses einstellen.
Eines,
meine Damen und Herren, ist auch klar: Alle genannten und schon angekündigten
Maßnahmen werden viel Geld kosten. Dieses Geld steht dann nicht mehr für
Projekte und Leistungen zur Verfügung, die uns bisher im Wesentlichen als
unverzichtbar erschienen. Man wird nicht alles mit der Erhöhung der Tabak- und
der Versicherungsteuer bezahlen können. Hinzu kommt auch noch ein Weiteres: Das
Rad der Weltkonjunktur dreht sich seitdem deutlich langsamer und weitere
Turbulenzen werden zu erwarten sein, wenn die militärischen
Auseinandersetzungen anhalten sollten.
Das
heißt alles in allem: Europa ist gezwungen, praktisch von heute auf morgen
andere Prioritäten zu setzen. Es steht bereits jetzt fest, daß Deutschland auf
diese Entwicklung äußerst schlecht vorbereitet ist, weil dringend notwendige
Reformen versäumt oder verzögert worden sind. Die derzeitige Bundesregierung,
die im Deutschen Bundestag seit einiger Zeit in wichtigen Fragen über keine
eigenständige Mehrheit mehr verfügt, wird den kommenden Anforderungen kaum
gewachsen sein.
Der
Union ist damit eine große Verantwortung aufgetragen, der sie im Bund und in
den Ländern gerecht werden muß. Und die CDU-Landtagsfraktion nimmt diese
Verantwortung wahr. Die innere Sicherheit steht nämlich nicht erst seit dem 11.
September auf unserer Prioritätenliste ganz oben. Wer jetzt anderes behauptet,
will nur davon ablenken, daß er noch vor kurzer Zeit auf der Seite derer stand,
die sich vehement dagegen gewehrt haben, der Polizei wirksame gesetzliche
Grundlagen für ihre
wichtige
Arbeit in die Hand zu geben.
Ich
will ja anerkennen, daß es hier inzwischen ein Umdenken gegeben hat. SPD- und
CDU-Fraktion haben gemeinsam einen Entschließungsantrag eingebracht: „Sachsen
einig im Kampf gegen Gewalt – unser Land vor dem Terror schützen – unsere
wehrhafte Demokratie offensiv verteidigen“. Dieser Entschließungsantrag ist
wortgleich mit einem Entschließungsantrag, den der Landtag von
Baden-Württemberg am 25.9.2001 verabschiedet hat, dort initiiert von der
CDU-Fraktion. Dem sind im Stuttgarter Landtag auch SPD, FDP, DVP und die Grünen
beigetreten. Es ist durchaus ehrenwert, daß sich die sächsische SPD
entschlossen hat, diesen Antrag bei uns einzuführen. Es zeigt die
Gemeinsamkeiten und eben auch die Unterschiede zur PDS.
Zu
erwähnen ist allerdings, daß die Sächsische Staatsregierung gemeinsam mit den
anderen CDU-geführten Ländern einen Entschließungsantrag auf der gleichen
Grundlage im Bundesrat eingebracht hat. Dieser ist aus unerfindlichen Gründen
von den SPD-geführten Ländern abgelehnt worden. Das soll uns aber nicht
hindern, meine sehr geehrten Damen und Herren, in Sachsen in dieser Frage die
Gemeinsamkeit mit der SPD-Fraktion zu suchen.
Im
Entschließungsantrag heißt es unter Punkt 5 – ich will einmal jetzt schon
darauf eingehen –: „Der Sächsische Landtag tritt jeder Pauschalverurteilung
anderer Kulturen und Religionen entschieden entgegen. Er unterstreicht die
Notwendigkeit, den interkulturellen und interreligiösen Dialog weiter zu
fördern und zu pflegen. Er wird dazu seinen Beitrag leisten, um das friedliche
Zusammenleben aller Bevölkerungsgruppen aktiv zu gewährleisten.“ Was hier
steht, meine Damen und Herren, wie übrigens auch alles andere, gilt für uns
un-eingeschränkt. Allerdings erlaube ich mir noch eines hinzuzufügen. Das muß
man im Entschließungsantrag so nicht wiederfinden, aber ich möchte dem Hohen
Hause einfach sagen, was ich dazu denke. Zu einem wahrhaftigen Dialog gehört
es, daß nicht ein wesentlicher Teil einfach weggelassen wird, nur weil er der
anderen Seite nicht paßt oder weil der Dialog nur in einem ganz engen Bereich
möglich ist, so daß es niemandem weh tut. Solche Dialoge sind nicht
zielführend. Ich meine, daß es auch an der Zeit ist, die vornehme Zurückhaltung
gegenüber Staaten aufzugeben, in denen Menschenrechtsverletzungen an der
Tagesordnung sind. Es kann nicht hingenommen werden, wenn zum Beispiel Christen
in arabischen Staaten verfolgt und benachteiligt werden. Warum bleibt hier der
Aufschrei der Anständigen aus?
Immerhin
lautet Artikel 18 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte: „Jeder Mensch
hat Anspruch auf Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit. Dieses Recht
umfaßt die Freiheit, seine Religion oder seine Überzeugung zu wechseln, sowie
die Freiheit, seine Religion und seine Überzeugung allein oder in Gemeinschaft
mit anderen in der Öffentlichkeit oder privat, durch Lehre, Ausübung,
Gottesdienst und Vollziehung von Riten zu bekunden.“
Ich
frage deshalb: Warum protestieren die friedliebenden und toleranten Muslime,
die es ja in der Überzahl geben soll und sicher auch gibt, nicht gegen die
Verletzung des Artikels 18 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte in
ihren Ländern? Zu erwähnen wäre immerhin, daß auch islamische Staaten Mitglied
der Vereinten Nationen sind und insofern die Allgemeine Erklärung der
Menschenrechte anerkannt haben müßten.
Es
darf nirgendwo in der Welt als ein Verbrechen gelten, schon gar nicht als ein
todeswürdiges, wenn Menschen über ihren Glauben reden, sich zu ihm bekennen und
für ihn werben. Das zu fordern ist übrigens kein unzulässiger Eingriff in
andere Kulturen. Es ist vielmehr die Grundlage, auf der ein Dialog der
Religionen und Kulturen überhaupt möglich ist.
Besonnenheit
ist in den letzten Wochen zu einem Begriff geworden, der regelrecht Flügel
bekommen hat. Allerdings kann Besonnenheit auch im Sinne von Besinnen als
geistige Auseinandersetzung mit anderen Religionen und Kulturen verstanden
werden. Ich bedaure deshalb sehr, daß die vor einiger Zeit begonnene Debatte um
den Begriff der Leitkultur in Deutschland so schnell verebbt ist.
Vielleicht
ist es an der Zeit, diese Debatte jetzt mit Besonnenheit zu führen. Vielen
Dank.
Prof.
Dr. Georg Milbradt:
Herr
Präsident! Meine Damen und Herren! Vor drei Wochen haben wir hier im Landtag des
11. Jahrestages der Wiedervereinigung gedacht.
Der
Festredner, Horst Teltschik, hat uns in bewegenden Worten noch einmal vor Augen
geführt, wie tief greifend sich die Lage in Deutschland und in Europa durch die
friedliche Revolution des Herbstes 1989 verändert hat.
Der
3. Oktober 1990 markiert das Ende der Nachkriegszeit, das Ende des 20.
Jahrhunderts. Vor 1989 lebten wir auf unserem Kontinent in einer latenten
Kriegsgefahr, die von den Expansionsbestrebungen der Sowjetunion, der
Konfrontation der beiden Supermächte und einer beispiellosen Konzentration von
militärischer Macht auf engstem Raum ausging. Der mutige Aufstand der Bürger
hier und in den ost- und mitteleuropäischen Nachbarländern fegte die
kommunistischen Regime hinweg. Diese Ereignisse haben zu einer grundlegenden
Verschiebung der außenpolitischen Situation und einer Verbesserung der äußeren
Sicherheitslage in diesem Teil der Welt geführt. Damit verbunden war eine
beispiellose Abrüstung in Europa und insbesondere bei uns in Deutschland.
Aber
wir wissen: Nicht eine einseitige Abrüstung des Westens hat den Kalten Krieg
beendet, sondern die von den Menschen erzwungenen politischen Umwälzungen in
Mittel- und Osteuropa. Ein Zurückweichen vor der Bedrohung erhält weder
Freiheit noch den Frieden, sondern führt allenfalls zu einer Friedhofsruhe. Wer
Frieden und Freiheit will, muß sich dafür auch einsetzen.
Die
Nato hat ihren Charakter geändert. Aus einem Verteidigungsbündnis gegen die
Sowjetunion ist eine neue Form amerikanisch-europäischer Zusammenarbeit zur
Sicherung des Friedens auch außerhalb Europas entstanden. Auch unsere östlichen
Nachbarn sind Mitglieder der Nato, weitere werden folgen. Viele haben geglaubt,
die Welt sei sicherer geworden. Nun wissen wir: Das war eine Illusion.
Außerhalb Europas, ja schon an seinen Rändern, zum Beispiel auf dem Balkan und
im Nahen Osten, sieht die Lage anders aus. Die Konflikte im Herzen Europas sind
verschwunden, andere sind geblieben, neue hinzugekommen. Der Sturz der
kommunistischen Regime in Europa hat zwar die
Gefahr
eines innereuropäischen oder eines weltweiten atomaren Krieges beseitigt, ein
ewiger Friede auf der Welt ist jedoch nicht in Sicht. Die Bedrohung unserer
Sicherheit ist nicht verschwunden, sondern nur anders geworden. Freiheit,
Menschenrechte, Demokratie und Marktwirtschaft haben in Europa gesiegt und sind
in anderen Teilen der Welt auf dem Vormarsch. Diese Werte sichern den Frieden.
Aber nach wie vor ist es nur eine kleine Minderheit unter den Ländern dieser
Welt, die in einer so geprägten Ordnung leben.
Der
klassische Krieg als eine Auseinandersetzung zwischen Staaten ist innerhalb
Europas zwar undenkbar geworden, aber bewaffnete Konflikte haben weltweit nicht
abgenommen, sie haben zugenommen. Auch wird die Zivilbevölkerung bewußt in die
Auseinandersetzung hereingezogen und als Geisel benutzt. Brutaler Terror gegen
Unbeteiligte und Unschuldige gilt einigen als legitimes Mittel des Kampfes.
Meine
sehr verehrten Damen und Herren! Dies läßt uns nicht unberührt; denn offene
Grenzen, schnelle Verkehrsverbindungen, weltweite Kommunikationstechnik und
große Wanderungsbewegungen sorgen dafür, daß fremde Konflikte und Kriminalität
in unser Land herein-getragen werden. Wir leben nicht auf einer Insel der
Glückseligen und wir können uns auch nicht verstecken. Der 11. September dieses
Jahres markiert sicherheitspolitisch den Beginn des 21. Jahrhunderts. Der Kalte
Krieg ist durch den eiskalten Terrorismus abgelöst worden.
Die
Terroristen und ihre Anhänger verachten Toleranz und Freiheit, nutzen sie aber
skrupellos im Kampf gegen uns. Die Anschläge in New York galten nicht nur
Amerika, sondern sie galten uns allen, unseren Werten, unserer Gesellschaft.
Sie sind eine Kriegserklärung an die ganze zivilisierte Welt.
Meine
sehr verehrten Damen und Herren! Wir haben diesen Konflikt nicht gesucht, er
ist uns aufgezwungen worden. Wir müssen diese Auseinandersetzung annehmen und
den Terrorismus konsequent und mit allen Mitteln bekämpfen – hier und überall
auf der Welt. Das schließt auch militärische Aktionen als letztes Mittel
gegenüber Ländern ein, die Terroristen schützen und beherbergen. Dieses
erlauben eindeutig das Völkerrecht, die Uno-Satzung und die einschlägigen
Beschlüsse des Sicherheitsrates. Gegen brutale Gewalt darf und kann man sich
leider oft nur mit Gewalt verteidigen. Wir stehen solidarisch zu den
Vereinigten Staaten in der weltweiten Allianz gegen den Terror. Alles andere
wäre Heuchelei. Bündnisse und Solidarität sind keine Einbahnstraße. Wenn wir
darauf vertrauen, daß uns unsere Verbündeten in der Stunde der Not zu Hilfe
kommen, dann müssen wir auch bereit sein zu helfen. Alles andere zerstört das
Bündnis und gefährdet uns letztlich selber.
Meine
sehr verehrten Damen und Herren! Meine Vorredner haben schon klargestellt: Es
geht hier nicht um eine Auseinandersetzung zwischen dem Islam und unserer
Gesellschaft; es gibt keinen Krieg der Kulturen. Die heimtückischen
Flugzeuganschläge sind das Werk von Mördern, die durch eine verdrehte
Interpretation des Koran genau dies wollen: einen großen Konflikt mit der abendländischen
Welt. Wir wollen das nicht! Wir erwarten auch von den muslimischen Ländern und
Organisationen, daß sie sich klar von den Terroristen distanzieren. Die
militärischen Maßnahmen richten sich nicht gegen das afghanische Volk. Unsere
Politik muß darauf gerichtet sein, das terroristische Netzwerk innerhalb und
außerhalb Afghanistans zu zerstören, aber auch der Bevölkerung zu helfen, die
unter einem jahrzehntelangen Krieg, ökonomischer Mißwirtschaft und einer
menschen-verachtenden Diktatur der Taliban unvorstellbar leidet.
Die
gezielten militärischen Schläge lösen nicht eine humanitäre Katastrophe aus,
die Katastrophe ist längst da, wenn Sie sich die Berichte der
Hilfsorganisationen ansehen. Große Teile der Bevölkerung, meine Damen und
Herren von der PDS, können sich schon heute nicht selbst ernähren. Es ist
weitgehend der Westen, der Lebensmittel liefert und andere humanitäre Hilfe
leistet, um notdürftig ein Überleben der Menschen zu sichern. Hunger und Elend
treiben sie schon seit längerem in die Nachbarländer. Die landwirtschaftliche
Produktion ist größtenteils – Experten sagen, zu 80 % – zugunsten des
Drogenanbaus aufgegeben worden. Den Frauen werden die elementarsten
Menschenrechte verweigert. Selbst Witwen ist es nicht erlaubt sich durch eigene
Arbeit zu ernähren. Frauen und Mädchen wird jede Art von Bildung und Teilhabe
am gesellschaftlichen Leben verweigert. Die Sterblichkeit von Kindern ist eine
der höchsten auf der Welt. Frauen werden kaum medizinisch versorgt, ihre
Sterblichkeit ist entsprechend hoch. Kunst und Kultur werden verachtet. Die
weltberühmten Buddha-Statuen von Bamijan wurden gesprengt, Künstler verfolgt
oder außer Landes getrieben.
Meine
sehr verehrten Damen und Herren! Wenn wir den Menschen in Afghanistan wirklich
helfen wollen, dann müssen wir sie von diesem Steinzeitsystem befreien!
Pazifistische Demonstrationen helfen den Menschen in Afghanistan überhaupt
nicht! Die PDS steht wie üblich abseits und versucht die verständlichen Ängste
der Bevölkerung durch populistische Antikriegsparolen auszunutzen. Die PDS
führt den islamistischen Terror auf die angebliche Ausbeutung und die
Unterdrückung durch die USA zurück, auf die so genannten Verbrechen des
Kapitalismus oder auf die Globalisierung.
Meine
sehr verehrten Damen und Herren! Damit versuchen Sie doch nur den Spagat zu
schaffen – einerseits heuchlerisch hier Solidarität mit dem amerikanischen und
andererseits die Ablehnung von militärischen Aktionen. Und schauen Sie doch mal
in Ihr Dresdner Manifest, das Sie hier vor einigen Wochen beschlossen haben!
Dort sieht man genau den Spagat. Ich übersehe nicht die Armut, den Hunger und
die Unterdrückung in islamischen Staaten und in den Ländern der Dritten Welt.
Diese aber auf die angebliche Ausbeutung durch die USA oder die Globalisierung
monokausal zurückzuführen, ist eine Verdrehung der Tatsachen. Gerade in einem
Teil der arabischen Staaten hat das Öl unendlichen Reichtum hervorgebracht.
Diese Staaten und Gesellschaften sind aber offensichtlich nicht in der Lage,
eine einigermaßen gerechte Verteilung des Reichtums und eine positive
wirtschaftliche Entwicklung zu erreichen. Die Ursachen für Not und Armut – das
zeigen alle Berichte der Welthilfsorganisationen – sind in erster Linie
hausgemacht. Hier muß wohlverstandene Hilfe ansetzen. So sehen es auch die
internationalen Organisationen.
Meine
Damen und Herren! Es steht außer Frage, daß die reichen Länder des Westens den
armen materiell helfen müssen. Es ist naiv zu glauben, daß der Terrorismus
allein oder in erster Linie durch mehr Entwicklungshilfe bekämpft werden könne.
Das funktioniert genauso wenig wie der Versuch, innerstaatliche Kriminalität
durch großzügige Sozialpolitik auszurotten.
Meine
Damen und Herren! Einmal mehr stellt die PDS-Fraktion unter Beweis, daß sie die
Vergangenheit nicht überwunden hat und auf die drängenden Fragen der Gegenwart
letztlich keine glaubwürdige Antwort weiß. Was Sie hier vortragen, ist ein
Aufguß von vulgärem Marxismus. Völlig unverständlich ist es für mich, wie
Ministerpräsident Höppner angesichts dieser Sachlage in Berlin eine rot-rote
Koalition empfiehlt. Wie kann die SPD mit einer Partei koalieren, die in so
grundlegenden Fragen wie der Außen- und Sicherheitspolitik diametral anderer
Auffassung ist?
Welche
Konsequenzen müssen wir aus der Bedrohung durch den Terrorismus innenpolitisch
ziehen? Die innere und die äußere Sicherheit gehören wieder auf Platz eins der
politischen Tagesordnung.
Oberste
und wichtigste Aufgabe eines jeden Staates ist es, seine Bürger vor inneren und
äußeren Gefahren zu schützen. Das ist nämlich die eigentliche Rechtfertigung
eines jeden Staatswesens. Das ist das Pflichtprogramm. Ein Staat, der die
Sicherheit seiner Bürger nicht in ausreichendem Maße garantieren kann, verliert
seine Daseinsberechtigung und zerfällt. Das zeigt sowohl die Geschichte, aber
auch die Gegenwart. Politik in anderen Bereichen – ob nun für Soziales oder für
die Wirtschaft, für die Kultur oder für die Wissenschaft – kann nur erfolgreich
sein, wenn die Sicherheit hinreichend gewährleistet ist.
Fehlende
Sicherheit ist durch nichts zu ersetzen. Die Bundesregierung und die Koalition
schienen das vergessen zu haben. Jetzt sind sie aus den Träumereien aufgewacht
– spät, aber hoffentlich noch nicht zu spät. Die Bürger wollen einen starken
Staat, der sie vor Kriminalität und vor Gewalt schützt. Das wollen wir auch.
Das haben wir in Sachsen unter Beweis gestellt, meistens gegen den Widerstand
von SPD und PDS.
Ich
habe in den elf Jahren nie gemerkt, daß die PDS-Fraktion bei Fragen der
öffentlichen Sicherheit auf der richtigen Seite stand. Natürlich gibt es ein
Spannungsverhältnis zwischen Sicherheit und persönlicher Freiheit. Alle
Diktaturen, auch die der DDR, rechtfertigen massive Einschränkungen der
persönlichen Freiheitsrechte mit dem Hinweis auf die öffentliche Sicherheit.
Sie mißbrauchen das Sicherheitsbedürfnis zur Stabilisierung ihrer eigenen
Herrschaft. Wir dagegen haben eine Verfassung, die den Grundrechten einen hohen
Rang verleiht, eine Verfassung, die die Bürger gegen ungerechtfertigte
Eingriffe des Staates in ihre persönliche Freiheit und in ihren bürgerlichen
Rechten schützt.
Meine
Damen und Herren! Wir achten und respektieren diese freiheitliche Verfassung
und die durch sie gewährten Grundrechte. Daran gibt es keinen Zweifel. Dafür
brauchen wir keine Belehrung durch die PDS-Fraktion.
Meine
Damen und Herren! Freiheit und Sicherheit bedingen einander. Ohne Sicherheit
können die Bürger nicht frei leben. Wer Angst vor Gewalt haben muß, ist
beeinflußbar und erpreßbar. Er ist nicht frei. Deswegen braucht unsere
freiheitliche Gesellschaft einen Staat, der Sicherheit gewährleistet. Dazu
stehen wir. Die Grundrechte sind kein Vorwand, um statt die Bürger die Täter zu
schützen.
Innere
und äußere Sicherheit gibt es nicht zum Nulltarif, weder politisch noch
finanziell. Die Friedensdividende, die in der Vergangenheit zur Finanzierung
von politischen Wohltaten im Inneren genutzt worden ist, war wohl doch nicht so
groß, wie die Bundesregierung hoffte. Noch im Haushalt 2001 hat die Koalition
in Berlin Ausgaben für die Sicherheit heruntergefahren. Wir wenden zur Zeit
zirka 1,5 % des Bruttosozialproduktes für die Verteidigung auf und bilden mit
Luxemburg das
Schlußlicht
in der Nato. In den USA und in Frankreich ist der Anteil doppelt so hoch.
Das
Sparen an der Sicherheit ist eine falsche Politik. Sie muß schnellstens
korrigiert werden. Das 3-Milliarden-Programm für die Bundeswehr und andere
sicherheitsrelevante Aufgaben ist ein erster Schritt. Wir begrüßen, daß die
Bundesregierung in Berlin endlich unseren Forderungen nach einer Kurskorrektur
in der Sicherheitspolitik nachkommt.
Ich
will auf die Aufzählungen der einzelnen Maßnahmen durch den Innenminister nicht
weiter eingehen. Sie finden unsere volle Unterstützung. Wir lehnen aber
Steuererhöhungen zur Finanzierung der Sicherheitsmaßnahmen ab. Die Steuerlast
ist schon jetzt zu hoch. Wenn die Regierung die Etatposition für die Sicherheit
in der Vergangenheit als Spardose zur Finanzierung anderer Wünsche genutzt hat,
müssen jetzt neue Ausgabenprioritäten gesetzt und darf nicht die Last auf die
Bürger abgewälzt werden.
In
Deutschland ist die innere Sicherheit vernachlässigt worden. Nicht zufällig ist
Deutschland ein Ruhe- und Vorbereitungsraum für Terroristen geworden. Ähnliches
hat schon vor Jahren der kurze Zeit später in Sizilien ermordete Staatsanwalt
Falcone bei seinem Besuch in Deutschland über Mafia-Aktivitäten gesagt. Der
Verfolgungsdruck in Italien veranlaßte die Kriminellen ins sichere Deutschland
auszuweichen. Wir müssen denselben Druck aufbauen, um dies zu verhindern.
Wir
müssen insbesondere auf der Bundesebene rückhaltlos fragen: Sind unsere Gesetze
im Lichte der neuen Gefahren noch angemessen? Hat der Schutz des Bürgers
wirklich oberste Priorität? Dazu einige Anmerkungen: Es gibt meines Erachtens
keine klare Trennung zwischen innerer und äußerer Sicherheit mehr. Der Terror
kann sowohl von innen als auch von außen kommen. Terroristen können vom Ausland
einreisen oder schon seit langem unter uns leben. In Extremsituationen muß auch
die Bundeswehr eingesetzt werden können. Wir können es uns angesichts der
Bedrohung nicht leisten, die Bundeswehr ausschließlich im Ausland einzusetzen
und ihre Möglichkeiten zur Abwehr von Gefahren im Inneren ungenutzt zu lassen.
Die Bundeswehr verfügt zum Beispiel über Abwehrmittel gegen Biowaffen, die
Polizei nicht. Warum kann die Bundeswehr nicht Bewachungsaufgaben im Inneren
wahrnehmen, wenn die Polizeistärke bei extremen Bedrohungen zu gering ist?
Bei
den eigenen Kasernen und im Kosovo geht das offensichtlich. Kein anderes Land –
mit Ausnahme von Österreich – schließt innere Einsätze des Militärs in
Notfällen aus. Die Österreicher sind gerade dabei, das zu korrigieren. Die im
Grundgesetz verankerte Beschränkung ist meines Erachtens nicht mehr zeitgemäß.
Meine
Damen und Herren von der SPD-Fraktion! Die Bundesregierung kann zeigen, ob sie
sich gegen die Traumtänzereien des linken Flügels der Koalition durchsetzen
kann. Wir haben die Anträge gestellt. Wir warten auf die Behandlung. Der
Datenschutz darf auch kein Täterschutz sein. Ich nenne ein Beispiel: Ein zum
Terrorismus neigender fanatischer Islamist, dem in seinem Heimatland die
Todesstrafe droht, flüchtet nach Deutschland und beantragt Asyl. Er kann nicht
abgeschoben werden. So weit, so gut. Warum aber darf die Asylbehörde weder die
Polizei noch den Verfassungsschutz auf die ihr durch das Asylverfahren
bekannten terroristischen Einstellungen des Mannes aufmerksam machen? Warum
darf sie das nicht? Übrigens soll er nach den neuen Zuwanderungsregeln auch
noch das Recht haben, die Familie nachzuholen. Da muß man doch wirklich
überlegen, ob alle diese Bestimmungen so richtig sind. Grundvoraussetzung der
Abwehr von Gefahren und der Strafverfolgung ist, daß man die Täter kennt und
identifizieren kann. Zu Recht gibt es daher bei uns Personalausweise und
Meldepflicht. Was nützen aber Ausweise, wenn sie gefälscht werden können oder
wenn man mehrere Identitäten annehmen kann?! Wir wissen zum Beispiel, daß einer
der Attentäter in Amerika hier unter drei verschiedenen Namen im
Ausländerzentralregister geführt wurde. Kommunalpolitikern sind solche
Sachverhalte gut vertraut, denn sie kennen zahllose Betrugsfälle bei der
Sozialhilfe über die Anmeldung unter unterschiedlichen Namen oder an
verschiedenen Orten.
Warum
muß man zu Notmaßnahmen greifen und alle betreffenden Hilfeempfänger zur
gleichen Zeit vorladen, um nach Mißbrauchsfällen zu fahnden? Reicht nicht auch
ein fälschungssicherer Ausweis, der die Identität eindeutig belegt? Gibt es
denn ein Menschenrecht auf einen fälschbaren Paß oder mehrere Identitäten? Man
hat ja fast den Eindruck, daß die PDS das offen-sichtlich jetzt aus unserer
Verfassung herausliest. Vor der Erfindung der Fotografie mußte man sich in
Pässen mit Personalbeschreibungen begnügen. Wenn Sie einmal Pässe aus dem 19.
Jahrhundert sehen, können Sie sich davon überzeugen. Dann wurden Paßbilder
eingeführt. Was unterscheidet eigentlich, bezogen auf die Freiheitsrechte, ein
normales Lichtbild von einem holografischen Foto oder digitalen Daumenabdruck
oder von sonstigen biometrischen Identitätsmerkmalen? Alles dient dazu,
denjenigen, der den Ausweis vorzeigt, eindeutig zu identifizieren. Die
verschiedenen Methoden unterscheiden sich nicht, bezogen auf die
Freiheitsrechte. Und warum zögern wir denn noch, die modernen Mittel
einzusetzen? Weil Sie – und jetzt meine ich die Berliner Koalition; von der PDS
habe ich da sowieso nichts zu erwarten – den unbegründeten Vorwurf des
Überwachungsstaates fürchten. Und – ich will es ganz deutlich sagen – das nur
deswegen, weil bei den Grünen und Teilen der SPD vor lauter linker Ideologie
das politische Koordinatensystem durcheinander geraten ist.
Aber,
meine Damen und Herren, getreu der Bibel: Wir freuen uns über jeden politisch
Bekehrten, vor allen Dingen über einen so prominenten wie Schily.
Es
ist schon ein erstaunlicher Weg vom Terroristenanwalt zum obersten
Staatsschützer!
Aber
damit da kein Zweifel aufkommt: Schily macht seine Sache unter den Bedingungen
der Berliner Koalition nicht schlecht. In Sachsen wie anderswo hat sich die
Arbeit des Verfassungsschutzes bewährt. Gerade in der gegenwärtigen Situation
ist er unverzichtbar und sollte personell aufgestockt werden. Ist es eigentlich
ein Zufall, daß in Sachsen-Anhalt eine Bedingung der Unterstützung der
Regierung durch die PDS war, diesen Dienst fast bis auf null herunterzufahren?
Ähnliche
Diskussionen sind mir auch aus Mecklenburg bekannt. Auch der damalige
Landesminister Trittin setzte ohne große Gegenwehr Anfang der neunziger Jahre
gegen den damaligen Ministerpräsidenten Schröder in Hannover eine Halbierung des
Personals durch und brüstete sich anschließend damit, daß er den
Verfassungsschutz in Ketten gelegt habe. Und, meine Damen und Herren, diese
Herren – offen-sichtlich heute bekehrt – tragen in Berlin Verantwortung!
Wenn
nun Erkenntnisse vorliegen, dann ist die nächste Frage: Warum nutzt man sie
nicht konsequent bei Visaerteilung oder auch bei Einbürgerungsverfahren? Einige
des Terrorismus Verdächtige waren ja deutsche Staatsbürger und das muß
nachdenklich machen. Ich bin für eine Integration unserer ausländischen
Mitbürger und auch für ihre Einbürgerung, wenn sie bereit sind, die Grundwerte
unserer Gesellschaft und unserer Verfassung zu respektieren. Das ist aber dann
auch zu überprüfen!
Wir
sind ein offenes Land und wir sind gastfreundlich. Kein europäisches Land hat
so viele ausländische Flüchtlinge aufgenommen wie Deutschland. Gastfreundschaft
setzt aber voraus, daß die Rechte des Gastgebers auch respektiert werden. Weder
darf Deutschland zum Schauplatz ausländischer Konflikte noch ein Eldorado für
ausländische Straftäter werden.
Die
Bevölkerung will keine Zuwanderung von Kriminellen oder Terroristen oder gar
ein Bleiberecht für sie. Wer das Gastrecht durch Straftaten bricht, sollte
unser Land umgehend verlassen.
Die
öffentliche Sicherheit hat in Sachsen immer Priorität gehabt. Dabei wird es
bleiben. Wenn die SPD uns in Zukunft hierbei nachhaltig und nicht nur aus
kurzfristigem Opportunismus unterstützen will, ist sie herzlich willkommen. Die
Sicherheitslage ist gut. Eine konkrete Gefährdung ist – so haben wir vernommen
– nicht zu sehen. Die Bevölkerung braucht keine Angst zu haben. Damit das
jedoch in Zukunft so bleibt, müssen wir aber auch unsere eigenen Gesetze und
die getroffenen Maßnahmen sowie die personellen und finanziellen Ressourcen
daraufhin überprüfen, ob sie den neuen Herausforderungen und Erkenntnissen noch
entsprechen. Wir werden uns den notwendigen Änderungen und Ergänzungen im
Landtag nicht verschließen und wir können ja dann feststellen, ob die SPD bereit
ist, diesen Weg mitzugehen. Noch einmal zum Schluß: Sachsen ist und bleibt ein sicheres
Land. Dafür werden wir von der CDU sorgen.
Wir
sind die Partei der inneren Sicherheit hier im Lande. Für eine Schill-Partei
ist bei uns kein Platz!
Wer
eine solche Partei nicht will – und ich gehöre auch dazu -, der muß das
Entstehen dieser Partei nicht beklagen, sondern eine überzeugende Antwort auf
die berechtigten Sorgen der Bevölkerung geben.
Und,
meine Damen und Herren, das haben wir getan und das werden wir auch weiterhin
tun.