"Sachsen - gut gerüstet für das 21. Jahrhundert?"

Staatsminister a.D. Prof. Dr. Georg Milbradt MdL

Rede vor der Mittelstandsvereinigung Dresden am 21.3.2001

 

Anrede

Herzlichen Dank für die Einladung zur heutigen Veranstaltung der Mittelstandsvereinigung!

Der Trubel der Karnevalstage am Rhein und an der Elbe ist vorbei, so hoffe ich jedenfalls. Die Katerstimmung des Aschermittwochs auch. Sie haben in der Einladung eine Fastenrede angekündigt. Ich will allerdings keine Predigt über Einkehr und Buße wegen begangener Sünden halten.

Eine politische Partei und die MIT als wichtiger Teil der CDU wollen gestalten. Es geht also immer um die Zukunft, weniger um die Vergangenheit. Die kann man sowieso nicht mehr ändern. Allenfalls kann man aus ihr Lehren ziehen.

Politiker sind keine Wahrsager. Sie eignen sich auch nur bedingt als Propheten. Und die Rolle der Cassandra ist auch nicht gerade populär. Wir brauchen Ziele und Visionen, an denen wir uns wie an Wegweisern orientieren können. Visionen sind für mich kein Selbstzweck. Sie müssen realistisch sein. Politik ist die Kunst des Möglichen, wie Bismarck sagt. Politiker werden zum Handeln gewählt, nicht zum Ankündigen.

Sie haben mit dem Thema gefragt, ob wir in Sachsen für die vor uns liegende Zeit gerüstet sind. Wie ist die Lage? Was können wir tun, was müssen wir tun?

Ich möchte die wichtigsten Entwicklungen und Herausforderungen herausgreifen:

1.     die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung, die Lage auf dem Arbeitsmarkt und die finanzpolitischen Rahmenbedingungen

2.     die demographischen Probleme

3.     die Globalisierung und die Folgen der technischen Entwicklung

Zum Schluß möchte ich einige parteipolitische Anmerkungen machen.

Zum 1. Punkt: wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung.

Anläßlich der Feier des 10. Jahres der Wiedervereinigung wurde zurecht eine überwiegend positive Erfolgsbilanz gezogen: Einige Schlaglichter: Die politische Integration in das westdeutsche Rechts- und Gesellschaftssystem ist weitgehend abgeschlossen. Die Wirtschaftsleistung pro Kopf stieg von rund 30 % West auf 60%. Das Gesundheitssystem hat den westdeutschen Standard erreicht, wenn nicht überschritten. Die Lebenserwartung ist deutlich gestiegen. Elbfische können wieder verzehrt werden. Allerdings ist vom täglichen Genuß noch abzuraten.

Dies alles ist ein großer Erfolg. Auch das Gebäude, in dem wir sind, ist ein gutes Beispiel. Unsere Bevölkerung kann stolz auf das Erreichte sein. Mehr war realistischerweise nicht möglich. Wer diese Erfolge bestreitet oder klein redet, nimmt der Bevölkerung einen wichtigen Motor für die Zukunft, nämlich den Mut und das Vertrauen in die eigene Kraft.

In den letzten Monaten hat sich das Bild in der öffentlichen Wahrnehmung eingetrübt. Deutlicher wird herausgearbeitet, was noch nicht erreicht worden ist. Für den ranghöchsten Politiker aus dem Osten, Bundestagspräsident Thierse von der SPD, "steht Ostdeutschland auf der Kippe". Ostdeutschland wächst seit 1997 langsamer als Westdeutschland, die Wachstumsdifferenz betrug im letzten Jahr fast 2 Prozentpunkte. Der Abstand wird größer, nicht kleiner, wie erhofft. Die Arbeitslosenzahlen verringern sich im Osten nicht, sie steigen.

Die Äußerungen von Thierse haben ein höchst unterschiedliches Echo hervorgerufen: Von Zustimmung, teilweise verbunden mit der Forderung nach noch höherer Ostförderung, bis hin zur Ablehnung als Miesmacherei.

Was stimmt an Thierses Thesen?

# Die Diskussion ist überfällig,

# die Zahlen sind richtig,

# die Analyse ist zu pauschal und läßt wichtige Entwicklungen außer acht,

# die Schlußfolgerungen sind zum großen Teil unzutreffend und

# die psychologischen Wirkungen schädlich.

Bei der negativen Wachstumsdifferenz handelt es sich um einen Durchschnittswert für die gesamte Wirtschaft. Die Problematik von Mittelwerten erklärte mein Statistikprofessor so: Wenn Sie mit dem einen Bein auf einer heißen Platte und mit dem anderen auf einem Eisblock stehen, dann ist es im Durchschnitt lau, nur der Durchschnitt sagt nichts über ihren tatsächlichen Zustand aus. Oder ernsthafter formuliert, die reine Durchschnittsbetrachtung kann zu falschen Schlüssen führen, wenn die einzelnen Werte stark vom Durchschnitt abweichen.

Und das ist in Ostdeutschland der Fall: Die Bauwirtschaft war bis 1994/95 die Lokomotive der ostdeutschen Konjunktur. Die Gründe sind bekannt. Große staatliche Infrastrukturprogramme, Nachholbedarfe, sowie hohe Förderungen und steuerliche Vergünstigungen für privates Investitionen. Seitdem schrumpft der Bausektor, und sein Anteil nähert sich einem langfristig stabilen und volkswirtschaftlich finanzierbaren Wert. Dies zieht allerdings die gesamtwirtschaftliche Wachstumsrate nach unten.

Der Rückgang beim nach wie vor überproportionalen Bausektor überdeckt die positiven Zahlen im verarbeitenden Gewerbe. Während in den ersten Jahren nach der Wende dieser in Sachsen traditionell starke Sektor erheblich schrumpfte, wächst er seitdem wieder kontinuierlich. Auch die Exporte in den Rest der Welt steigen deutlich an, die Importe werden durch eigene Produktion teilweise ersetzt.

In unserer Wirtschaft vollzieht sich ein notwendiger Normalisierungsprozeß: Weg vom überhitzen Bau, hin zu noch unterdurchschnittlich erzeugten Gütern und Dienstleistungen für andere Länder und Regionen.

Dies ist eine außerordentlich positive Entwicklung. Der sächsische Wohlstand vor dem Krieg beruhte ja nicht mehr auf dem Silber aus dem Erzgebirge – das war im Mittelalter -, sondern auf der Fähigkeit, Güter und Dienstleistungen an den Rest der Welt zu verkaufen und damit Geld zur Finanzierung der weiteren Entwicklung einzunehmen. Das muß auch für die Zukunft unser Ziel sein.

Aber die positiven Entwicklungen im verarbeitenden Gewerbe und im Export sind noch zarte Pflänzchen. Wir müssen sie noch lange intensiv pflegen, bis starke Bäume daraus werden. Wir sind noch weit von einem selbsttragenden Aufschwung entfernt, denn die Ausrüstungsinvestitionen pro Kopf, also Maschinen, liegen leider wieder unter Westniveau. Die volkswirtschaftliche Nachfrage übersteigt die eigene Produktion noch um etwa die Hälfte. Der Erfolg ist alles andere als selbstverständlich und erfordert einen langem Atem.

Die Konsequenzen für die Politik sind klar: Unterstützung dieses schmerzlichen Umstrukturierungsprozesses, und nicht der vergebliche und verhängnisvolle Versuch, diese Entwicklung zu verhindern oder zu verlangsamen. Die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe noch besser werden. Die Wirtschaft muß wieder mehr investieren, nicht so sehr in Gebäude als vielmehr in den Maschinenpark.

Dazu muß der Staat auf jeden Fall zunächst das Pflichtprogramm absolvieren, d.h. Beseitigung der noch vorhandenen Infrastrukturdefizite, insbesondere bei Verkehrsverbindungen sowie bei Ver- und Entsorgung. Dies haben ja auch unsere wissenschaftlichen Gutachten zur Vorbereitung der neuen Solidarpaktverhandlungen ergeben.

Die einzelbetriebliche Förderung sollte sich bei geringer werdenden staatlichen Finanzierungsspielräumen noch stärker auf die wichtigen, noch unterproportional vertretenen Sektoren konzentrieren, insbesondere Betriebe, die im interregionalen und internationalen Wettbewerb stehen. Das heißt nicht notwendigerweise die Förderung von Großbetrieben, die brauchen wir als Anker auch, sondern Förderung des Mittelstandes, insbesondere des innovativen. Einzelbetriebliche Förderung ist keine Unternehmersozialpolitik. Wir sollten so fördern, daß für die Gesamtwirtschaft der größte Nutzen herausspringt.

Unterstützen kann man die Wirtschaft nicht nur durch Subventionen, das ist leicht, sondern auch durch wirtschaftsfreundliches Verhalten und durch Offenheit. Investoren müssen in Sachsen willkommen sein und sich wohlfühlen. Das Umfeld, die weichen Standortfaktoren, müssen stimmen. Dazu gehört insbesondere die Wissenschaft und die wirtschaftsnahe Forschung. Da ist viel geschehen!

Wir brauchen für die vor uns liegende Zeit auch weitere Anstrengungen der westdeutschen Wirtschaft im Osten, ein Abbau ihrer Präsenz hier, wie teilweise schon zu beobachten, wäre fatal.

Wie auch immer der neue Solidarpakt und der neue Bund-Länder-Finanzausgleich aussehen werden, es wird nicht mehr Geld geben, sondern weniger, zumindest auf mittlere Sicht. Wir haben im Vergleich zu den armen Ländern West noch immer eine bessere Finanzausstattung, die wir zurecht mit unserem besonderen Nachholbedarf Ost begründen. Nur diese Bedarfe haben durch den Erfolg unserer Politik abgenommen. Bei knapper werdenden Mitteln müssen wir uns mehr noch als bisher auf die Politikbereiche konzentrieren, die unsere weitere Zukunft bestimmen, und nicht so sehr auf die, die nur die Symptome vergangener Fehlentwicklung kurieren.

Dies gilt für alle Staatsebenen: EU, Bund, Länder und Gemeinden. Die beiden ersten Ebenen müssen ihre Förderprogramme entsprechen umstellen. Der Bund speziell muß seinen Verpflichtungen nachkommen, eine gut ausgebaute überregionale Verkehrsinfrastruktur zu schaffen. Wer hier spart, spart am falschen Ende.

Der Bundeskanzler sollte endlich sein Wahlversprechen von der "Chefsache" einlösen. Wir brauchen keinen Staatsminister Schwanitz, dem nichts schwant.

In Sachsen haben wir, insbesondere durch den letzten Doppelhaushalt und die Konsolidierungspolitik unserer Gemeinden, die ersten Weichen richtig gestellt. Wir haben uns nicht an das süße Gift der Schulden gewöhnt und brauchen daher in Zukunft auch keine Entziehungskur. Die eigentliche Herausforderung kommt aber in den nächsten Jahren, besonders ab dem Jahr 2005 und mit der EU-Osterweiterung. Wir müssen und wir werden den Mut zur Veränderung aufbringen. Wir haben den notwendigen zeitlichen Vorlauf, so daß wir es schaffen können.

Jammern à la Höppner in der Hoffnung auf mehr Aufmerksamkeit und Geld erzeugt nur Ablehnung. Mehr Geld kommt sowieso nicht. Man schädigt nur die Stimmung im eigenen Land und das Ansehen außerhalb. Wie will man denn Investoren für eine Region begeistern oder die Bevölkerung zu weiteren Anstrengungen ermuntern, wenn schon die eigene Führung jammert? Die hanseatischen Kaufleute hatten ein Rezept für Erfolge: Die Stärken stärken. Wir müssen mehr als bisher auf unsere eigene Arbeit vertrauen und nicht das Heil in der Hilfe anderer suchen. Sicherlich, es geht noch nicht ohne Hilfe; aber wir wollen auch um unserer eigene Selbstachtung willen nicht dauerhaft am Tropf hängen.

Mehr als bisher stellt sich heraus, daß die sicherlich zunächst richtige Methode, sich am Westen zu orientieren, an ihre Grenzen gestoßen ist. Einerseits ist das Vorbild bei näherer Betrachtung doch nicht so glänzend, andererseits sind unsere Probleme anders und erfordern daher auch eine eigene Lösung.

Meine Damen und Herren!

Zu viele Menschen sind immer noch ohne Arbeit. Die ostdeutsche Arbeitslosenrate ist mehr als doppelt so hoch wie im Westen. Die Schere öffnet sich wieder. Diese Entwicklung spiegelt die unterschiedliche Wirtschaftslage wider, insbesondere die Konjunkturwirkungen des Exports, die bei uns schwächer sind. Unsere Bevölkerung sieht in der hohen Arbeitslosigkeit zu Recht eines der größten Probleme.

Die Bundesregierung bejubelt die westdeutschen Zahlen und verschweigt die ostdeutschen. Bei näherem Hinsehen sind aber selbst die westdeutschen kein Zeichen von wirtschaftspolitischen Erfolgen; denn die Abnahme der Arbeitslosigkeit beruht großteils auf Verringerung der Arbeitsnachfrage aus demographischen Gründen. Die Berliner Politik fördert die Beschäftigung nicht. Es ist vielmehr zu erwarten, daß die Zahl der Arbeitsplätze sich bei einem Abflauen des Booms wieder verringert. Schröder wird also sein wichtiges Wahlziel, mehr Beschäftigung, verfehlen, insbesondere bei uns im Osten.

Weniger bekannt ist, daß wir trotz des wirtschaftlichen Abstandes nach Abzug der ABM nicht weniger Arbeitsplätze im Verhältnis zur Wohnbevölkerung als westdeutsche Länder haben. Ein Grund für Arbeitslosigkeit bei uns ist ein höhere Arbeitsnachfrage, was an sich positiv ist. Die ostdeutschen Probleme lassen sich also noch weniger als die westdeutschen mit den herkömmlichen Mitteln lösen. Wer sich an Westdeutschland orientiert, bekommt westdeutsche Ergebnisse, und die reichen zur Lösung unserer Probleme nicht aus.

Deswegen brauchen wir neben einer guten wirtschaftlichen Entwicklung noch mehr als der Westen eine Reform des Arbeitsmarktes. Der Weg zusätzliche Beschäftigung allein durch zusätzliche private Investitionen zu bekommen ist richtig, reicht aber nicht aus. So viel private Investitionen sind kurzfristig gar nicht mobilisierbar.

Arbeitsplätze fehlen bei uns nicht generell. Es gibt Branchen und Regionen, die schon jetzt unter Fachkräftemangel leiden. Auch das ist ein Zeichen, daß das Angebot und die Nachfrage nach Arbeit oft nicht zusammenpassen und daß der Arbeitsmarkt nicht richtig funktioniert. Reformen sind daher unabweisbar.

Wir brauchen am unteren Ende der Lohnskala ein anderes System. Wir haben im Verhältnis zu vielen ausländischen Staaten eine gute Einkommensabsicherung. Wer nun Arbeitseinkommen erzielt, dem kürzen wir die Unterstützung fast im gleichen Umfang. Es besteht kein materieller Anreiz zur Arbeitsaufnahme, wenn nicht eine bestimmte Lohnhöhe erreicht wird. Zu der existiert aber kein ausreichendes Arbeitsangebot.

Amerika zahlt bei zusätzlichem Arbeitseinkommen zunächst mehr Unterstützung. Über die Details mag man streiten. Aber mit Arbeit – ich meine legale Arbeit - muß man fühlbar mehr Einkommen erhalten als ohne Arbeit. Bei der Schwarzarbeit funktioniert das ja schon.

Unsere hohen Steuern und Sozialabgaben tun ein weiteres. Für den Arbeitnehmer zählt letztlich der Nettolohn, für den Arbeitgeber die gesamten Kosten einschließlich der Lohnnebenkosten. Zwischen Nettolohn und Bruttoarbeitskosten besteht ein Verhältnis von bis zu 1 zu 3. Wer Arbeit so stark belastet, darf sich nicht wundern, wenn zu wenig Nachfrage im offiziellen Arbeitsmarkt entsteht. Ohne eine umfassende Reform werden wir unsere Arbeitsmarktprobleme im Osten nicht lösen. Und was ist die Alternative aus Berlin? Mehr Kontrollen! Das hilft nicht.

Beschäftigung fördert auch eine flexible Lohnpolitik, die der sehr unterschiedlichen Situation unserer Betriebe Rechnung trägt. Arbeitsplätze sind bei uns wie überall im wesentlichen im Mittelstand entstanden. Die Großindustrie baut ab. Die beste Arbeitsmarktpolitik ist eine gute Mittelstandspolitik. Die Stichworte sind bekannt, werden aber zu wenig beachtet: Weniger Bürokratie, schnellere Steuerentlastung auch für den normalen Mittelstand, Förderung der Existenzgründung.

Die Berliner Politik macht das Gegenteil, 630 DM-Gesetz, Gesetz gegen Scheinselbständigkeit, neues Betriebsverfassungsgesetz, Steuerentlastung für die Großbetriebe, Ökosteuer. So kommen wir auf keinen grünen Zweig!

Entbürokratisierung ist aber auch ein Thema für die Landes- und die Kommunalpolitik. Und hier können wir selber etwas tun.

Meine Damen und Herren!

Der Schwung der ersten Anstrengungen des Aufbaus Ost läuft aus, die bisherigen Konzepte müssen überarbeitet werden. Nicht weil sie falsch waren, sondern weil nach der Vereinigung mehr als 10 Jahre vergangen sind. Die vor uns liegende Zeit wird keine reine Fortsetzung der ersten 10 Jahre sein. Dieses einzusehen fällt nicht allen leicht, weil die bisherige Politik verständlicherweise Besitzstände geschaffen hat, in die jetzt eingegriffen werden muß.

Wir brauchen einen Solidarpakt II. Darin sind sich alle einig. Es sollte dabei allerdings nicht nur wie bisher um Geld für ostdeutsche Länder und Gemeinden, nicht nur um "wie viel", sonder auch "wozu" gehen. Wir müssen alle zusammen umfassende Anstrengungen unternehmen, um unseren Aufbau wieder zu beschleunigen, also:

a) Fortführung der Hilfen und Programme des Bundes und der EU,

b) verstärkte Verkehrsinvestitionen des Bundes selbst,

c) weitere konsequente Orientierung der Finanzpolitik in allen ostdeutschen Ländern und Gemeinde auf den Aufbau,

d) beschäftigungsorientierte Lohnpolitik und

e) ein stärkeres Engagement der westdeutschen Wirtschaft in und für Ostdeutschland.

Wir brauchen einen wirklichen Pakt, ein gemeinsam vereinbartes Paket und keine gegenseitige Zuweisung von Schuld und Verantwortung! Es muß ein neuer Ruck durchs Land gehen!

Nun zur 2. Herausforderung: Demographie:

Die Zahl der Geburten hat sich nach der Wende praktisch halbiert. Auch in Westdeutschland und anderen europäischen Ländern haben wir einen Geburtenrückgang, wenn auch nicht so ausgeprägt. Wegen des Sterbeüberschusses verringert sich kontinuierlich unsere Bevölkerung. Noch dramatischer ist die Verschiebung zwischen den Generationen. Wenn man von Zuwanderungen absieht, ist diese Entwicklung kurz- und mittelfristig nicht umkehrbar, selbst wenn sich die Geburtenzahl deutlich erhöhen würde. Natürliche demographische Veränderungen vollziehen sich in langen Wellen. In der Demographie ist es wie in der Ökologie. Wenn man es merkt, ist es meist zu spät. Fehlende Kinder in einer Generation können nicht "nachgeboren" werden.

Nur die Spitze des Eisberges ist bisher zu sehen. Die Zahl der Kindereinrichtungen und Grundschulen sinkt, Erzieherinnen wurden entlassen. Grundschullehrer akzeptierten Teilzeitvereinbarungen. Die weiteren Veränderungen stehen bereits vor der Tür: Weniger Mittelschüler und Gymnasiasten. Sinkende Schülerzahlen erfordern eine neue Schulnetzplanung und geben trotz knapper werdender Mittel die Chance, unsere Schulen und die Qualität der Ausbildung zu verbessern. Die erforderlichen Änderungen erfordern Mut und Kraft in der Politik.

Wir werden ab 2010 wahrscheinlich nicht mehr zu wenige Lehrstellen haben, sondern zu wenige Lehrlinge. Die Wirtschaft wäre gut beraten, sich hierauf frühzeitig einzustellen und verstärkte Ausbildungsanstrengungen schon vorher bei den geburtenstärkeren Jahrgängen zu betreiben.

Es wird für uns entscheidend sein, ob und wie wir ein ausreichendes Arbeitskräftepotential für unsere wirtschaftliche Entwicklung auf Dauer sichern. Die höhere Erwerbsneigung wird uns etwas helfen. Es darf zu keiner Abwärtsspirale kommen: Weniger Menschen, weniger Arbeitskräfte, Schrumpfen der Wirtschaft, Abwanderung wegen fehlender wirtschaftlicher Perspektiven usw. Dann würde das Land ausbluten. Das muß unter allen Umständen verhindert werden. Dreh- und Angelpunkt ist eine positive wirtschaftliche Entwicklung.

Wenn die demographische Welle unsere Gesellschaft voll erfaßt haben wird, also nach 2010/2015, wird es ohne Zuwanderung insbesondere von qualifizierten Arbeitskräfte nicht gehen. Das Boot mag zwar im Augenblick voll erscheinen, es wird aber in der Zukunft leerer. Die fehlenden Geburten können und sollen nicht voll durch Zuwanderung ersetzt werden. Das wird nicht gehen; denn die Integrationsfähigkeit einer Gesellschaft hängt auch vom Zahlenverhältnis zwischen einheimischer und zugewanderter Bevölkerung ab.

Sachsen muß für Zuwanderer attraktiv sein, sie akzeptieren und integrieren. Die Menschen werden im wesentlichen aus fremdsprachigen Ländern kommen. Da die osteuropäischen Nachbarn mit ähnlichen demographischen Veränderungen zu kämpfen haben, müssen wir darauf achten, nicht nur das Problem nach Osten zu verschieben.

Unsere Gesellschaft ist auf diese voraussehbare Entwicklung bisher nur ungenügend vorbereitet. "Wir sind kein Einwanderungsland", ist oft gesagt worden. Falsch! Denn Deutschland und insbesondere Sachsen haben häufig in der Geschichte Zuwanderungen erlebt. Wenn wir Zuwanderung akzeptieren und in Westdeutschland tatsächlich schon haben, dann muß man den Prozeß bewußt beeinflussen, so wie das Einwanderungsländer überall auf der Welt auch tun. Die Zuwanderung kann nicht dem Zufall oder Gesetzeslücken überlassen werden.

Die Einwanderung muß in ihrer Höhe und Zusammensetzung so gesteuert werden, daß eine größtmögliche Integration erreicht wird. Dazu gehört Integrationswillen der Zuwanderer und Akzeptanz bei der eigenen Bevölkerung. Ein Bürgerrecht zum Nulltarif ist kein geeignetes Instrument. Ohne intensive Sprachschulung wird keine Integration möglich sein. Besonders die Schule ist gefordert. Schon heute können weniger als die Hälfte der Kinder aus fremdsprachigen Familien bei ihrem Schuleintritt genügend Deutsch.

Wir haben in Sachsen noch die Chance zu einer geordneten Entwicklung. Westdeutschland hat da schon manches versäumt. Wir haben noch 10 bis 15 Jahre Zeit. Nutzen wir sie!

Über die Konsequenzen der demographischen Entwicklung für unsere sozialen Sicherungssysteme, insbesondere der Finanzierung der Renten, ist in den letzten Monaten viel diskutiert worden. Ich kann mir längere Ausführungen hierzu sparen; denn allen ist bewußt, daß es ohne tiefgreifende Reformen nicht geht.

Vor der Bundestagswahl hörten wir es von der SPD noch anders. Aber mit Täuschung und Verschleierung kann man ein so sensibles Thema wie Rente nicht behandeln. Unbestritten hat die Bundesregierung dazu gelernt, nur leider nicht genug; denn noch immer sind wichtige Teile der Rentenreform mittelfristig nicht finanzierbar und müssen nachgebessert werden. Ich hoffe, daß es unserer Partei im Vermittlungsausschuß gelingt, die notwendigen Korrekturen durchzusetzen und weitere Täuschungen, Enttäuschungen und Verunsicherungen zu vermeiden.

Zur ausreichenden Alterssicherung wird in der Regel auch Kapitalbildung gehören. Das ist richtig und soll deshalb auch gefördert werden. Renten werden nicht nur durch Kapitalbildung, sondern auch durch die Bildung von Humankapital gesichert, also der Erziehung von Kindern. Während die Erträge aus Kapital demjenigen zustehen, der es bildet, sozialisiert der moderne Staat über Steuern und Beiträgen einen großen Teil der Erträge aus Humankapital. Diejenigen, die Kosten und Lasten der Kindererziehung tragen, die Eltern und insbesondere die Frauen, bekommen wenig oder gar nichts.

Wer Kinder erzieht und sein Einkommen teilweise dafür verwenden muß, kann weniger sparen. Diesen Umstand muß der Staat berücksichtigen. Er muß sich stärker an der Kosten der Kinder beteiligen, also über Kindergeld, Familiengeld, steuerliche Maßnahmen oder ähnliche Instrumente, und muß die gesellschaftlich erwünschte Humankapitalbildung in der Rentenhöhe berücksichtigen. Auch hier gibt es noch Nachbesserungsbedarf. Die Homoehe ist aus koalitionspolitischer Rücksicht auf die Grünen zur Zeit in Berlin scheinbar wichtiger.

Nun zur 3. Herausforderung: der technischen Entwicklung und der Globalisierung:

Wir sind am Beginn eines neuen Schubes des technischen Fortschritts. Früher revolutionierten die Eisenbahn oder die Elektrizität Wirtschaft und Gesellschaft. Die treibenden Kräfte gehen in diesem Jahrhundert von der Mikroelektronik und der Bio- und Gentechnologie aus.

Die neuen Technologien verändern unser Umfeld, in dem wir leben und arbeiten schneller und grundlegender, als viele Innovationen der letzten fünfzig Jahre. Die technischen Erfindungen steigerten in der Industriegesellschaft die körperliche Leistungsfähigkeit um ein Vielfaches und waren damit die Voraussetzung für das enorme Wachstum im letzten Jahrhundert. Im neuen Jahrhundert wird die moderne Elektronik mit leistungsfähigen Computern, ausgeklügelter Software und schnellen weltumspannenden Netzen die geistigen Leistungen des Menschen im 21. Jahrhundert erhöhen.

Die modernen Informationstechnologien zusammen mit neuen Logistikkonzepten steigern die weltweite Konkurrenz. Das kann heute jeder von zu Hause per Mausklick nachvollziehen. Die Kosten für die Datenübertragung sind in den letzten 10 Jahren um 80% zurückgegangen. Wie die Eisenbahn vor über hundert Jahren den wirtschaftlichen Aktionsradius erweitert hat, so treiben die neuen technischen Möglichkeiten heute die Entwicklung von nationalen Ökonomien hin zu einer Weltwirtschaft. Die Welt ist kleiner geworden, Entfernungen schirmen uns nicht mehr von Entwicklungen in der übrigen Welt ab. Zusätzlich wird die EU-Osterweiterung die Wirtschaftsgeographie in Mitteleuropa grundlegend verändern.

Der Welthandel wächst daher stärker als die meisten Volkswirtschaften. Die wirtschaftlichen Verflechtungen zwischen den Ländern und einzelnen Wirtschaftsblöcken werden immer enger. Dies gilt nicht nur für Güter, sondern zunehmend auch für Dienstleistungen. Die "Inder" brauchen zum Teil keine "green card", weil sie ihre Dienstleistungen in ihrem Heimatland produzieren und über den Draht zu uns schicken können. Die Flugscheinabrechnung der Lufthansa erfolgt schon heute dort.

Diese Entwicklungen setzen uns unter einen immensen Innovationsdruck. Im weltweiten Wettbewerb werden wir nur eine Chance haben, wenn wir laufend neue Produkte entwickeln und auf den Markt bringen. Denn die Innovationszyklen werden kürzer und der Lebenszyklus schrumpft dramatisch. Der Umsatz von Gütern und Leistungen, deren Markteinführung erst kurze Zeit zurückliegt, steigt stark an. Bei Unternehmen der "new economy" liegt der Anteil von Produkten, deren Entwicklungszeitpunkt weniger als 3 Jahre zurückliegt, bei bis zu 90%.

Ohne ein Höchstmaß an Innovation und damit letztendlich an Erfindungsreichtum der Mitarbeiter kann dies von keinem Unternehmen bewerkstelligt werden. Die wachsende Zahl von Mitarbeiter- und Beteiligungsmodellen zeigt, daß die Unternehmen bereit sind, diese Herausforderung anzunehmen. Denn nur weitgehend selbständiges Handeln von motivierten Mitarbeitern, die unmittelbar am Unternehmenserfolg beteiligt sind, können derartige Höchstleistungen auf Dauer garantieren.

Die technische Entwicklung wird gerade die Büroberufe erfassen und damit auch die öffentliche Verwaltung. Was ist Verwaltung anderes als das Sammeln, Bearbeiten und Weiterleiten von Informationen, also Bits und Bytes? Diese Prozesse werden durch die neue Technik grundlegend verändert. Das virtuelle Rathaus oder das virtuelle Finanzamt sind keine Utopie mehr.

Die Sachsen sind technikfreundlich. Nutzen wir also die Chance einer umfassenden Reorganisation der öffentlichen Verwaltung. Der Bund muß dazu die notwendigen gesetzlichen Änderungen vornehmen, die alle Rechts- und Verwaltungsbereiche umfassen werden.

Die neuen technischen Möglichkeiten erleichtern auch den Arbeitsplatzwechsel. Der lebenslange Arbeitsplatz beim selben Arbeitgeber wird weiter an Bedeutung verlieren. Phasen unterschiedlicher Formen von Arbeiten und Freistellung werden sich häufiger abwechseln. Deshalb sind heute Mobilität und Flexibilität wichtig, um neue Chancen zu erkennen und zu nutzen. Die klassische Lohnarbeit verliert an Bedeutung, der Unterschied zwischen selbständiger und unselbständiger Arbeit verringert sich. Der Arbeitnehmer wird mit seinem Humankapital zum Unternehmer.

Das wird von vielen Interessenvertretern der Arbeitnehmer verkannt. Diese Entwicklung zu kritisieren ist einfach, sie aufhalten zu wollen, meines Erachtens jedoch sinnlos. Daher kann es nur darum gehen, ohnehin ablaufende Veränderungen mit zu gestalten. Sie bieten im Gegenteil die Chance auch im Arbeitsleben eigenverantwortlicher und selbständiger zu handeln. Dazu müssen wir unsere Rahmenbedingungen an die veränderte Wirklichkeit anpassen. Aber wir müssen auch die Bürger mitnehmen, ihnen die Ängste nehmen und die notwendigen Prozesse sozial abfedern, anders wird es nicht gelingen.

Wir brauchen ein Klima, in dem sich die von der Politik gewünschte Eigeninitiative der Menschen auch wirklich entwickeln kann und nicht als lästige Störung des Gewohnten empfunden wird. Ich rede nicht einer Ellenbogenmentalität zu Lasten Dritter das Wort. Auch in Zukunft sind Anreize zu gesellschaftlich verantwortungsvollem Handeln notwendig. Solidarität ist ein notwendiges Element jeder staatlichen Politik. Die verbreitete Vorstellung vom Staat als "Vater Staat" ist nicht länger zeitgemäß.

Wir brauchen eine echte Bürgergesellschaft. Selbst wenn wir es wollten, gibt es kein Zurück. Denn in einer Situation offener Grenzen hat der traditionelle Staat einen Teil seiner Macht verloren. Die Menschen und vor allem die Unternehmen können sich in einem gewissen Maß ihre Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung selbst wählen. Der Staat befindet sich mit anderen Staaten selbst im Wettbewerb.

Dazu einige Stichworte:

Wenn wir die Menschen nicht in die Situation versetzen, von ihrer Arbeit zu profitieren, sind sie auch nicht in der Lage, für Risiken vorzusorgen oder in die Gründung eines eigenen Unternehmens zu investieren. Diesem Anspruch werden die gegenwärtigen Steuerpläne in Berlin nicht gerecht. Der Gewinn in Unternehmen wird begünstigt, das Sparen des einzelnen steuerlich dagegen schlechter behandelt.

Rot/Grün sagt: Geld in Unternehmen ist gut, weil damit angeblich in erster Linie Arbeitsplätze geschaffen werden, wohin gegen Geld in den Händen des Bürgers schlecht ist, da dort nur konsumiert wird. Das sind Vorstellung des 19., nicht des 21. Jahrhunderts!

Wir brauchen aber nicht nur eine Steuerreform, die diesen Namen verdient, sondern auch die dringend notwendige Überprüfung der Aufgabenteilung zwischen Staat und Wirtschaft. Es geht um weniger Staat und mehr Markt, es geht um Eigenverantwortung und eine effiziente und kundenorientierte Verwaltung. Die Privatisierung der Telekom hat gezeigt, zu welchen Verbesserungen der Markt führen kann. Auch für den Staat gilt das in der Industrie erfolgreich praktizierte Prinzip der Konzentration auf die "Kernkompetenzen". Wir brauchen eine klare Trennung zwischen Staat und Wirtschaft in dem Sinne, daß der Staat für alle bislang von ihm erbrachten Leistungen den Beweis antreten muß, daß er die Aufgaben effizienter erfüllt als ein privates Unternehmen und nicht umgekehrt. Weniger ist mehr!

Weil die Arbeitswelt sich stark ändert, müssen wir unsere Gesetze und Tarifvereinbarungen der Wirklichkeit anpassen. Mehr und mehr Tätigkeiten werden schon jetzt an eine wachsende Gruppe Selbständiger ausgegliedert werden, die dann arbeiten, wenn es erforderlich ist.

Der Bildungspolitik kommt in der Wissensgesellschaft von morgen eine besondere Bedeutung zu. Neben dem notwendigen Mittel spielt die Organisation eine wichtige Rolle. Im Bildungssektor sollte z.B. mehr Wettbewerb zwischen den Hochschulen und den Fachbereichen herrschen, um die Anpassungsgeschwindigkeit an neue Herausforderungen zu erhöhen. Die Hochschulen müssen sich nicht so sehr als staatliche Organisation, sondern mehr als Anbieter von Bildungsleistungen, die Studenten nicht als Nutzer einer Einrichtung, sondern als Nachfrager verhalten. Das Eigeninteresse der Beteiligten muß gestärkt werden, hierarchische Steuerungen zurückgedrängt werden. Die überkommenen Finanzierungs-, Besoldungs- und Organisationsstrukturen werden dem nicht gerecht. Wir haben in Sachsen keine Angst vor Veränderung, deswegen sollte das Hochschulrahmengesetz des Bundes fallen, um uns zu ermöglichen, unsere Chancen zu nutzen.

Wir brauchen auch die Fähigkeit und den Mut, mehr Vielfalt, mehr Unterschiedlichkeit hinzunehmen und dies nicht sofort als Ungerechtigkeit zu verdammen. Der Staat soll, soweit wie möglich, im Vorhinein die Gleichheit der Chancen garantieren und nicht die Gleichheit der Ergebnisse im Nachhinein herzustellen versuchen. Die Logik des Marktes ist, daß Ungleichheiten einen Prozeß hin zu mehr Gleichheit auslösen. Wenn sich in einer Branche hohe Gewinnmöglichkeiten entwickeln, werden neue Wettbewerber hinzukommen und diesen Vorsprung wegkonkurrieren. Diesen Prozeß sollte der Staat fördern und nicht in erster Linie die Ungleichheiten durch staatliche Umverteilung beseitigen.

Nicht jeder Unterschied ist eine Ungleichheit, nicht jede Ungleichheit eine Ungerechtigkeit, die staatliche Umverteilung erfordert.

Diesen letzten Gedanken halte ich für besonders wichtig. Denn viele Mitbürger denken noch anders. Nur bei Stagnation bekommt man Gleichheit. Wirtschaftliches Wachstums erfolgt meist nicht gleichmäßig, sondern eher in Schüben. Und wir wollen doch Wachstum.

Meine Damen und Herren!

Lassen Sie mich noch einige Anmerkungen zu unseren parteipolitischen Aufgaben machen:

Die CDU steht vor wichtigen Wahlen: Bürgermeister und Landräte 2001, Bundestag 2002, Europaparlament, kommunale Vertretungen und Landtag 2004. Wenn wir weiter die wichtigste politische Kraft in Sachsen bleiben wollen, dann müssen diese Wahlen, insbesondere die Landtagswahl gewonnen werden. Wenn wir Rot/Rot verhindern wollen, müssen wir wieder die absolute Mehrheit im Landtag erreichen, ein ehrgeiziges Ziel.

Die bisherigen Wahlen in Ostdeutschland, insbesondere die Bundes- und die Landtagswahlen, waren stark von Personen geprägt. Politische Parteien hatten demgegenüber einen geringeren Stellenwert als in Westdeutschland. Die Schwankungen im Wahlverhalten sind ausgeprägter. Kurt Biedenkopf hat in drei Landtagswahlen mit besten Ergebnissen das Vertrauen der Wähler bekommen. Die CDU als Partei hat davon außerordentlich profitiert.

2004 wird das anders sein, da unser Ministerpräsident nicht mehr kandidieren wird. Die Zeit der Gründerväter geht auch in Thüringen und Brandenburg zu Ende. Bei den Landtagswahlen 2004 wird der Wähler nicht für die Vergangenheit danken, sondern über die Zukunft entscheiden. Die politische Partei, die dafür das überzeugendste Angebot an Programm und Personen macht, wird gewinnen. Die politische Situation normalisiert sich. Unsere Partei muß eine größere Rolle spielen, wenn wir erfolgreich bei den Wahlen sein wollen. Der Windschatten wird nicht mehr vorhanden sein. Das ist für uns neu.

Daher sollten wir die Zeit nutzen, in der uns Kurt Biedenkopf noch zur Verfügung steht, um in der Partei mehr eigene Kraft und Selbstbewußtsein zu entwickeln. Die Partei muß politischer werden, d.h. diskutieren, um die beste Lösung ringen. Sie muß nicht nur vor Wahlen aktiv werden, sondern lernen, eigenständig zu handeln und nicht nur als verlängerter Arm der Landtagsfraktion und der Regierung. Sie muß sich noch mehr der Gesellschaft öffnen und ihre Mitgliederbasis verstärken. Das ist eine ehrgeizige Aufgabe, mit der wir nach den Bürgermeister- und Landratswahlen beginnen sollten. Auch die MIT ist hierbei gefordert.

Lassen Sie mich zusammenfassen:

Die Zukunft ist keine verlängerte Vergangenheit. Auf neue Fragen brauchen wir neue Antworten. Die Herausforderungen, vor denen unser Land in der Zukunft steht, sind groß. Wir können sie aber bewältigen. Sachsen hat unter den ostdeutschen Bundesländern eine gute Ausgangsposition. Wir haben eine bedeutende Wegstrecke zurückgelegt. Der Erfolg sollte für uns Ansporn, nicht Ruhekissen sein. Veränderungen sind Risiko und Chance zugleich. An uns liegt es, die Chancen zu nutzen.

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