Rede des Vorsitzenden der CSU, Dr. Edmund
Stoiber, zum Bundesparteitag der CDU am 4. Dezember 2001 in Dresden
Ich grüße Sie alle herzlich
von der Christlich-Sozialen-Union!
Viele Menschen überall
in Deutschland schauen mit Sympathie und großer Hoffnung auf diesen Parteitag
der CDU. Ich meine: Sie sind in ihren Hoffnungen bestärkt worden. Das ist ein
Parteitag des Aufbruchs! Dazu beglückwünsche ich Sie, liebe Angela Merkel, und
die Delegierten des Parteitags sehr herzlich.
Mit Dresden verbindet
sich für mich ein unvergeßliches Erlebnis: Auf Einladung von Bürgerrechtlern
der „Gruppe der 20“ habe ich im
Februar 1990 in der überfüllten Hofkirche gesprochen. Der Wille zu „Einigkeit und Recht und Freiheit“ der
Tausenden von Menschen in der Kirche, die großartige Aufbruchstimmung bleiben
mir dauernde Verpflichtung.
Dresden, Sachsen,
Thüringen: Das sind für mich heute beeindruckende Beispiele für eine positive
Entwicklung der neuen Länder!
Das ist natürlich ein
Erfolg der Menschen, auf den sie zu Recht stolz sein können. Das ist aber im
besonderen Maße auch ein Erfolg unserer Freunde der CDU in Sachsen und
Thüringen und der beiden Staatsregierungen unter Kurt Biedenkopf und Bernhard
Vogel.
Wir, CDU und CSU,
stehen weiter in der Verantwortung für die Hoffnungen, die die Menschen mit der
Wiedervereinigung verbunden haben. Niemand hat so viel für die Einheit
Deutschlands getan wie die Regierung Helmut Kohl. Wie sehr hat Schröder die
Regierung Kohl wegen der angeblich zu langsamen Entwicklung im Osten
angegriffen! Und heute gibt es im Osten 125.000 Arbeitslose mehr als beim
Amtsantritt der Regierung Schröder!
„Chefsache Aufbau Ost” – das müßte doch heißen, alles zu tun, damit
die neuen Länder aufholen und stärker wachsen als der Westen. Unter der
CDU/CSU-geführten Bundesregierung haben sie auch aufgeholt – sie sind stärker
gewachsen. Unter Schröder fallen die neuen Länder zurück.
Die Bundesregierung
vernachlässigt die neuen Länder! Eine Bundesregierung, die den Osten so
abhängt, muß abgelöst werden – im Interesse der Menschen in den neuen Ländern
und im Interesse Deutschlands insgesamt. Denn ohne Erfolge beim Aufbau Ost
fällt Deutschland auch international zurück: Der Aufbau Ost ist für die
Entwicklung Deutschlands von entscheidender Bedeutung. Nach drei Jahren Gerhard
Schröder steckt heute ganz Deutschland in der Krise!
- Die Arbeitslosigkeit
steigt. Jede Woche erreichen uns neue Hiobsbotschaften über Stellenabbau und
Entlassungen. Allein die vier großen deutschen Banken 30.000, Infineon 5.000,
Henkel 3.000, Siemens 17.000, Opel 2.000 usw.
- Die Firmenpleiten
erreichen Rekordzahlen: allein im 1. Halbjahr 2001 ein Anstieg um 19 %.
- Minuswachstum im Westen,
im Osten jetzt schon Rezession.
Diese Fragen dürfen bei
aller Bedeutung, die die Außenpolitik gegenwärtig zu Recht genießt, nicht unter
den Tisch fallen!
Die Süddeutsche Zeitung
spitzt das zu, wenn sie schreibt (24.11.01): „Was wiegt ... mehr außenpolitisches Gewicht gegen den fortschreitenden
Verlust von wirtschaftlicher Kraft und Selbstbewußtsein?“
Das Gewicht
Deutschlands auf der internationalen Bühne bemißt sich auch nach unserer
wirtschaftlichen Kraft. Wir dürfen nicht zulassen, daß diese Regierung
Deutschland im Schatten der Außenpolitik weiter ökonomisch vernachlässigt. Dies
hätte schließlich nicht nur verhängnisvolle Folgen im Innern, sondern auch bei
der Erfüllung unserer internationalen Verpflichtungen.
Schröder will ablenken
Wir sind unter Rot-Grün Schlußlicht beim Wachstum in Europa geworden.
Griechenland, Spanien, Frankreich, Italien – alle anderen machen mehr
Fortschritte bei Wachstum, Wohlstand und Beschäftigung als wir!
Doch statt anzupacken,
bietet Gerhard Schröder nur Ausflüchte.
Erstens sagt er: Die
anderen Länder in Europa wachsen schneller als Deutschland, weil sie ja auch
einen größeren Aufholbedarf haben. Nach dieser Logik müßten die Wachstumszahlen
im Osten Deutschlands geradezu explodieren. Aber sie explodieren nicht – sie schrumpfen!
Schröders Argument ist
falsch!
Zweitens sagt er: Der
11. September ist schuld an unserer schlechten wirtschaftlichen Lage. Auch
dieses Argument ist falsch! Schon seit Jahresbeginn steigt die Arbeitslosigkeit
in Deutschland. Und schon letztes Jahr waren wir Wachstumsschlußlicht in
Europa.
Drittens sagt er: Die
Lage in Deutschland sei schlecht, weil wir wirtschaftlich so eng mit den USA
verflochten sind, die jetzt in der Krise stecken.
Nein! Großbritannien,
Irland, Schweden, sie alle sind sogar enger mit den USA verflochten als
Deutschland. Trotzdem wächst die Wirtschaft dort schneller als hierzulande.
Auch dieses Argument
Schröders ist falsch!
Außerdem gilt: der
Export ist nicht schuld an der deutschen Malaise. Die Exporte sind nach den
letzten verfügbaren Daten dieses Jahr um knapp 10 Prozent gestiegen. Es ist die
Binnenkonjunktur, die nicht läuft, Rot-Grün würgt die Investitionen und den
privaten Konsum geradezu ab.
Nein, meine Damen und
Herren, nicht andere sind für die schlechte Wirtschaftslage in Deutschland
verantwortlich. Gerhard Schröder selbst hat diese Bilanz zu verantworten. Es
ist doch der Bundeskanzler, der in Deutschland die Richtlinien der Politik
bestimmt, nicht der amerikanische Präsident!
Die deutschen
Wirtschaftsforschungsinstitute, der Sachverständigenrat, die Bundesbank – sie
alle haben immer wieder die falschen Entscheidungen von Rot-Grün in der
Wirtschafts- und Arbeitsmarktpolitik kritisiert. Ohne Erfolg. Rot-Grün ist
beratungsresistent.
Selbst die immer lauter
werdenden Vorwürfe und Ermahnungen aus dem Ausland haben Rot-Grün nicht
aufgeschreckt.
-
Die EU-Kommission hat Deutschland mehrfach aufgefordert,
endlich zu handeln.
-
Der Internationale Währungsfonds und die OECD haben
Deutschland immer wieder ermahnt.
-
“Do something,
Germany”, titelte kürzlich die Londoner Financial Times.
Wer soll sich denn noch
alles zu Wort melden, bis Gerhard Schröder handelt?
Offenbar meint er, daß
er sich von niemandem etwas sagen lassen muß. Aber in der Demokratie gibt es
jemanden, von dem er sich etwas sagen lassen muß – und das ist der Wähler! Und
dem wird von Tag zu Tag klarer, daß es Rot-Grün nicht kann!
Meine Damen und Herren!
Wir tragen als größte
Volkswirtschaft in Europa rund ein Drittel zur gesamten Wirtschaftsleistung der
Eurozone bei. Die miserable Wirtschaftsbilanz Deutschlands wird daher zur
Wachstumsbremse für ganz Europa und zur Gefahr für die Stabilität des Euro.
Diese Bundesregierung hat den Euro geschwächt.
Deutschland hat unter
der Verantwortung von Helmut Kohl und Theo Waigel gegen viele Widerstände in
Europa einen Stabilitätspakt durchgesetzt. Zentrales Kriterium: Die jährliche
Neuverschuldung eines Landes darf 3,0 Prozent des Bruttoinlandsprodukts nicht
überschreiten.
Deutschland hat sich
sogar verpflichtet, den Anteil der Neuverschuldung nicht nur unter 3,0 Prozent
zu halten, sondern unter 1,5 Prozent. Das war auch der Wert am Ende der
CDU/CSU-geführten Regierung Ende 1998.
Wir haben uns Sorgen
gemacht, ob Portugal, ob Griechenland, ob Italien angesichts ihrer Schuldenpolitik
sofort in die Währungsunion aufgenommen werden sollten.
Aber nicht die
Griechen, nicht die Portugiesen und auch nicht die Italiener – wir sind es, die
in Europa jetzt auf der Anklagebank sitzen!
Schröder und Eichel
treiben den Anteil der öffentlichen Neuverschuldung am Bruttoinlandsprodukt
hoch: Dieses Jahr auf 2,5 Prozent, nächstes Jahr auf 2,7 Prozent, so die
EU-Prognose.
Deutschland hat heute
die höchste Neuverschuldung in Europa! Das, was früher „italienische Verhältnisse“ waren, haben wir dank der „Toskana-Fraktion“ jetzt in Deutschland.
Das darf nicht so weitergehen!
Dabei ist die
Bundesregierung gerade auf ihren Sparkurs so stolz. Dieser Sparkurs ist nichts
als Fassade! Eichel läßt sich für jede gesparte Mark feiern. In Wirklichkeit
verschiebt er die Belastungen!
Die Länder, Gemeinden
und Sozialversicherungen sie alle treibt Rot-Grün in neue Schulden!
- Eichel kassiert 100
Milliarden Mark aus der UMTS-Versteigerung. Die Länder und Gemeinden haben
riesige Steuerausfälle.
- Eichel erhöht die Gewerbesteuerumlage
zu Lasten der Kommunen.
- Riester führt mit der
Rentenreform eine Grundsicherung über die Sozialhilfe ein und läßt die Kommunen
auf dem Großteil der Kosten sitzen.
- Und mit einer
verfehlten Arbeitsmarktpolitik, Gesundheitspolitik und Rentenpolitik treibt
Rot-Grün die Sozialversicherungen ins Defizit.
Der
Bundesfinanzminister wird seiner Gesamtverantwortung für Deutschland nicht
gerecht! Deutschland insgesamt macht immer mehr Schulden. Der angebliche Sparkommissar
Eichel ist zum Schulden-Hans geworden. Der Lack ist ab!
Meine Damen und Herren!
Drei Jahre Gerhard
Schröder haben der deutschen Wirtschaft geschadet. Wir stehen heute im
Abstiegskampf!
Deshalb müssen wir
gemeinsam mehr machen aus Deutschland! Der letzte Platz paßt nicht zu Deutschland.
Es muß Schluß sein mit der Politik der ruhigen Hand!
Wir müssen anpacken!
Deutschland braucht eine bessere Politik!
Deutschland braucht den Wechsel!
Die Unzufriedenheit mit
Rot-Grün wächst. Das ist für uns Chance und Aufgabe auf diesem Parteitag und in
den kommenden Wochen und Monaten: Wir müssen noch deutlicher machen, wer für
diese schlechte Entwicklung die Verantwortung trägt: Gerhard Schröder und die
Bundesregierung!
Wir müssen den Wechsel
schaffen!
Wir haben eine
überzeugende Alternative zu bieten. Wir packen die Probleme der Menschen an.
Wir haben eine klare
Vision von der Zukunft dieser Gesellschaft.
Meine Damen und Herren!
Die SPD hat die CDU
skrupellos mit sachfremden Vorwürfen jahrelang zu diffamieren versucht. Das
darf sich die CDU nicht länger gefallen lassen. Es muß Schluß sein damit, daß
Untersuchungsausschüsse zur Verleumdung des politischen Gegners
instrumentalisiert werden.
Es ist Ihrer hohen
persönlichen Glaubwürdigkeit und Ihrem hohen Einsatz zu verdanken, liebe Frau
Merkel, daß dieser Versuch der SPD, der CDU moralisch „das Kreuz zu brechen“,
nicht aufgegangen ist.
Rot-Grün muß sich der
inhaltlichen Auseinandersetzung stellen. SPD und Grüne haben in den letzten
zwei Wochen auf ihren Parteitagen zu den großen wirtschaftlichen und
gesellschaftlichen Herausforderungen Deutschlands nichts geboten. Rot-Grün ist
keine Regierungsformation zur Lösung der großen und schwierigen Zukunftsaufgaben
in Deutschland!
Meine Damen und Herren!
CDU und CSU haben auf
ihren Parteitagen Alternativen für eine Politik für mehr Wachstum und
Beschäftigung für Deutschland beschlossen!
Wenn Unternehmen wieder
investieren und neue Arbeitskräfte einstellen sollen, wenn die Bürger nicht aus
Sorge vor der Zukunft sparen, sondern wieder Vertrauen fassen, Eigeninitiative
entfalten, investieren und konsumieren sollen, dann muß der Staat sie
entlasten!
Die USA haben es uns
vorgemacht! Sie haben ein Steuersenkungspaket von 1.350 Milliarden Dollar für
die nächsten zehn Jahren auf den Weg gebracht, um Wachstumskräfte zu stärken.
Was macht Rot-Grün?
Bürger und Unternehmen zahlen trotz der angeblich “größten Steuerreform aller Zeiten” heute rund 45 Milliarden mehr
Steuern als 1998.
Und 2002 wird von
Rot-Grün mit besonderen Knallern eingeleitet, mit einem Stakkato an
Steuererhöhungen! Mitten in der Rezession werden Ökosteuer, Tabaksteuer und
Versicherungssteuer erhöht. Damit zieht Rot-Grün den Verbrauchern und der
Wirtschaft allein im kommenden Jahr neun Milliarden Mark zusätzlich aus der Tasche!
Das sind nicht einmal Silvester-Raketen, das sind Rohrkrepierer!
In dieser Situation
fordert Eichel die Menschen auf, mehr auszugeben. Wie soll denn jemand, der
schon jetzt mit jeder Mark rechnen muß, mehr ausgeben, wenn die Steuern und die
Sozialversicherungsbeiträge immer weiter steigen? In dieser Woche erhöhen viele
Krankenversicherungen wieder die Beiträge. 20 oder gar 30 Mark im Monat weniger
in der Tasche, das tut vielen Arbeitnehmern, Rentnern und Familien weh!
Das zeigt doch die
Abgehobenheit dieser SPD, die wissen nichts mehr von den wahren Problemen der
Leute im Land!
Meine Damen und Herren!
Wachstumskräfte
stärken, heißt vor allem auch: Anpacken für den Mittelstand – dem Garanten für
die Schaffung und den Erhalt von Arbeitsplätzen.
Doch was macht
Rot-Grün? Eine Steuerreform, die den Mittelstand gegenüber der Großindustrie
benachteiligt wie noch nie in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland!
Der Mittelstand muß eine rund zehn Prozent höhere steuerliche Belastung tragen
als die Kapitalgesellschaften. Wir fordern eine Gleichstellung des Mittelstands
mit den Kapitalgesellschaften – und zwar so schnell wie möglich!
Der Mittelstand stellt
70 Prozent aller Arbeitsplätze und 80 Prozent aller Ausbildungsplätze. Und
während die Großen Stellen abgebaut haben, sind im Mittelstand neue Stellen
entstanden.
Gerhard Schröder hat
Wirtschaftspolitik zuerst bei den Jusos und dann beim Großkonzern Volkswagen
gelernt. Da wundert es nicht, wenn er von Mittelstand keine Ahnung hat! Neue
Arbeitsplätze schaffen heißt auch, die Regeln des Arbeitsmarktes flexibler zu
gestalten.
Wir wollen soziale
Sicherheit für unsere Arbeitnehmer.
Aber: Was nützen hohe
Schutzzäune, wenn sie verhindern, daß Menschen überhaupt eingestellt werden!
Soziale Sicherheit muß doch für alle gelten: Nicht nur für die, die Arbeit
haben, sondern auch für die, die Arbeit suchen. Sozial ist, was Arbeit schafft,
nicht, was Arbeit verhindert!
- Der generelle
Teilzeitanspruch kostet 250.000 Arbeitsplätze.
- Das 630-Mark-Gesetz
hat 600.000 Stellen vernichtet.
- Das Scheinselbständigengesetz
verhindert Unternehmensgründungen. Jeder Unternehmer schafft im Schnitt drei
Arbeitsplätze.
- Das neue
Betriebsverfassungsgesetz führt zu Mehrkosten von bis zu 2,7 Milliarden Mark im
Jahr - vor allem beim Beschäftigungsmotor Mittelstand! Das alles ist Arbeitsplatzabbau
und kein Weg zu mehr Beschäftigung!
Wir müssen die
Flächentarifverträge für betriebliche Beschäftigungsbündnisse öffnen. Wir
müssen Arbeitslose und Sozialhilfeempfänger wieder in Arbeit bringen. Dazu
brauchen wir Kombilöhne.
Wir müssen mehr
Flexibilität und mehr Anreize schaffen. Nur so eröffnen wir neue Chancen und
nur so lassen sich die Probleme am Arbeitsmarkt anpacken.
Meine Damen und Herren!
Anpacken müssen wir
jetzt auch beim Thema Sicherheit. Wir dürfen uns nicht in falscher Sicherheit
wiegen, nur weil seit den Anschlägen in den USA fast ein viertel Jahr vergangen
ist.
Wir stehen vor völlig
neuen Bedrohungen. Dafür müssen wir uns rüsten!
Innere und Äußere Sicherheit
sind nach dem 11. September nicht mehr voneinander zu trennen!
Der Kampf gegen den
internationalen Terror erfordert eine Stärkung der Inneren Sicherheit genauso
wie eine Stärkung der Bundeswehr! Rot-Grün hat die Bundeswehr systematisch
vernachlässigt. Das müssen wir ändern, auch wenn es nicht populär ist!
Meine Damen und Herren!
Populär ist heute der
Einsatz für eine Verbesserung der Inneren Sicherheit. Deshalb ist die SPD zu
neuem ungeahnten Opportunismus aufgelaufen – entgegen fast allem, was sie über
Jahrzehnte vertreten hat! Viele unserer Vorstellungen wurden von ihr
übernommen. Das unterstützen wir - ohne Frage.
Aber: Was Rot-Grün zur
Stärkung der Sicherheit der Menschen vorhat, geht in vielen Punkten nicht weit
genug! Das betrifft vor allem die Abschiebung von ausländischen Extremisten.
Für uns steht fest: Wer
mit dem Terror sympathisiert, hat in Deutschland keinen Platz! Islamistische
Extremisten wollen wir in Deutschland nicht haben! Die dürfen erst gar nicht zu
uns rein kommen. Und wenn sie bereits da sind, müssen sie wieder raus! Für eine
Abschiebung muß der Verdacht einer Mitgliedschaft in solchen terroristischen
Vereinigungen reichen! Schily beharrt aber auf einem konkreten Nachweis. Das
ist zu wenig! Es kann doch nicht sein, daß wir erst den Mitgliedsausweis in der
Hand halten müssen,
bevor jemand ausgewiesen werden kann. Und das verkauft Schily dann als größtes
Sicherheitspaket aller Zeiten.
Meine Damen und Herren!
Und genau so ist es
reine Augenwischerei, wenn Schily sein Zuwanderungsgesetz mit “Gesetz zur Steuerung und Begrenzung der
Zuwanderung” überschreibt. Maßgeblich ist nicht, was außen auf dem Gesetz
drauf steht, sondern was drin ist. Und das ist eine Öffnung Deutschlands zum
klassischen Einwanderungsland und keine Zuwanderungsbegrenzung, wie wir und die
Mehrheit der Bevölkerung sie wollen!
Die Begründung des
Gesetzentwurfs spricht eine klare Sprache. Dort heißt es: „Der dem gesamten Ausländerrecht zugrunde liegende Grundsatz der
einseitigen Zuwanderungsbegrenzung wird aufgegeben.“
Und die Grünen haben im
Deutschen Bundestag unumwunden eingeräumt: „Mit
dem Zuwanderungsgesetz wird Deutschland endlich ein Einwanderungsland.“
Meine Damen und Herren,
der Schily-Entwurf wird
zu einem deutlichen Mehr an Zuwanderung nach Deutschland führen! Das gilt
insbesondere für den Zuzug von Arbeitskräften: Da macht Rot-Grün die Tore weit
auf!
Natürlich brauchen wir
die hellsten Köpfe. Aber Rot-Grün hebt den seit 1973 gültigen Anwerbestopp
ausländischer Arbeitnehmer für alle Bereiche,
also nicht nur für Mangelberufe, ausdrücklich auf.
Quotierungen fehlen, es
bleibt völlig unklar, wieviele ausländische Arbeitnehmer eigentlich kommen
werden.
- Zuwanderung soll
künftig auch schon dann möglich sein, wenn lediglich ein regionaler
Arbeitskräftebedarf besteht, unabhängig davon, ob anderswo in Deutschland
geeignete Arbeitslose vorhanden sind oder nicht
- In einem sogenannten
Auswahlverfahren wird ein Zuzug völlig unabhängig von einem konkreten
Arbeitsplatzangebot eingeführt.
Das ist klassische
Einwanderungspolitik, die wir nicht wollen!
Meine Damen und Herren!
Wir haben knapp vier
Millionen Arbeitslose in Deutschland! Fachleute rechnen noch einmal eine
sogenannte „stille Reserve“ von zwei
Millionen dazu.
Im Rahmen der
EU-Osterweiterung werden in absehbarer Zeit zwölf Länder mit über 100 Millionen
Menschen am Binnenmarkt teilnehmen. Allein für den bayerischen Arbeitsmarkt
stehen hier bis zu 250.000 Arbeitskräfte in den ersten Jahren zur Verfügung –
so eine ifo-Studie.
Da besteht doch - mit
Ausnahme von Spezialisten in Mangelberufen - auf absehbare Zeit kein Bedarf für
weitere Zuwanderung in unseren Arbeitsmarkt! Das sagen auch alle Prognosen.
Da macht es sich vor
allem die Industrie zu einfach, wenn bei Engpässen am Arbeitsmarkt immer sofort
nach Zuwanderung gerufen wird! Ich habe als Ministerpräsident eines
erfolgreichen Landes ja wirklich ein sehr gutes Verhältnis zur Wirtschaft. Aber
ich nehme auch nicht alle Forderungen, die von dort kommen, Eins zu Eins!
Wie war das denn bei
der Green-Card-Debatte Anfang 2000?
- Die Wirtschaft hat
gerufen: „Wir brauchen 100.000
Computer-Spezialisten aus Indien!“ Tatsächlich wurden nicht einmal 10.000
Green-Cards vergeben.
- Heute liest man fast
täglich von neuen Entlassungen im IT-Bereich. Wenn wir vor einem Jahr
tatsächlich 100.000 ausländische Arbeitnehmer reingelassen hätten, wären die
jetzt großteils arbeitslos.
Bevor wir Menschen
anwerben, müssen wir deshalb versuchen, Arbeitsmarktprobleme selber zu lösen! Denn die
Integrationskosten für Menschen aus anderen Ländern muß in erster Linie die
öffentliche Hand leisten.
Und da erwarte ich mir
gerade auch von der Wirtschaft ein wenig mehr Engagement und Ideenreichtum! Das
gilt für die betriebliche Weiterbildung genauso wie für die Frage, wie wir das
Wissen und Können älterer Menschen besser einbinden können.
Trotz einer offiziellen
Altersgrenze von 65 Jahren ist bei uns nur noch ein gutes Drittel (39 %) der
55- bis 64jährigen erwerbstätig. In der Schweiz sind es 70 Prozent. Das zeigt
doch: Da liegt noch Potential! Das müssen wir nutzen! Das entlastet die
Rentenversicherung, reduziert die Integrationslasten und senkt die
Arbeitslosigkeit.
Meine Damen und Herren!
Ungesteuerte
Zuwanderung bringt immer die Gefahr von Unverträglichkeiten, Rissen und Brüchen
in unserer Gesellschaft. Deshalb ist uns eine erfolgreiche Integration so
wichtig! Und deshalb ist die Integrationsfähigkeit Deutschlands die Grenze für
mehr Zuwanderung!
Deutschland integriert
schon heute jedes Jahr eine Stadt in der Größe von Nürnberg oder Dortmund.
Und der Zuzug
konzentriert sich auf Berlin und die Großstädte im Westen! Da ist die
Integrationsfähigkeit vielerorts doch bereits jetzt überschritten!
SPD, Grüne, FDP, PDS: Alle wollen sie im Ergebnis mehr
Zuwanderung. Entgegen dem Eindruck in der veröffentlichten Meinung will aber
die überwältigende Mehrheit der Menschen in Deutschland kein Mehr an
Zuwanderung (Allensbach 10/01: 61 % für Verringerung der Zuwanderung).
Mir fehlt hier auch
manchmal das Verständnis, wenn ich höre, die CSU betreibe
Fundamentalopposition.
Es ging und geht allein
um die Sache!
CDU und CSU haben im
Mai die Bedingungen für eine Begrenzung und Steuerung der Zuwanderung
formuliert. Wer unsere Zustimmung will, muß diese Bedingungen erfüllen!
Wir, CDU und CSU, sind
in dieser entscheidenden Frage die einzigen, die den Mehrheitswillen der
Bevölkerung vertreten! Wir haben hier eine große Verantwortung!
Rot-Grün sollte immer
daran denken: Wenn sich die Bevölkerung in entscheidenden Fragen nicht mehr von
der Mehrheit im Parlament vertreten fühlt, wählt sich die Bevölkerung eine neue
Mehrheit! Unsere Haltung in der Zuwanderungsfrage ist auch eine entscheidende
Frage der Glaubwürdigkeit von CDU und CSU: Denn wir sind immer angetreten mit
dem Versprechen, Zuwanderung zu begrenzen und zu steuern!
Meine Damen und Herren!
Das größte Problem von
Rot-Grün ist die fehlende Glaubwürdigkeit. Die Menschen haben es doch satt, daß
ihnen vor der Wahl das Blaue vom Himmel versprochen wird und nach der Wahl
alles nicht mehr gilt.
Zentrales Versprechen
von Gerhard Schröder war die Senkung der Arbeitslosigkeit auf 3,5 Millionen.
Tatsache ist: die
Arbeitslosigkeit steigt!
Aufbau Ost Der Aufbau
Ost sollte Chefsache werden.
Tatsache ist: Der Osten
fällt zurück!
Soziale Gerechtigkeit
Schröder hat “Mehr soziale Gerechtigkeit”
versprochen.
Tatsache ist: Wir sind
auf dem Weg in die Zwei-Klassen-Medizin, von der Rentenlüge gar nicht zu reden.
Und der Bruch gerade dieses Versprechens ist das wirklich Erstaunliche und
Empörende! Die SPD versündigt sich gerade an den kleinen Leuten: Den
Arbeitnehmern, den Rentnern, den Kassenpatienten, den Familien mit geringem
Einkommen.
Oskar Lafontaine hat
das kürzlich bestätigt: “Wenn eine
SPD-geführte Regierung im Amt ist, dann sollte es Arbeitnehmern und Rentner
besser gehen. Davon kann aber leider keine Rede sein.” Wo er Recht hat, hat
er Recht! Diese Bilanz ist nicht nur beschämend für den Bundeskanzler und seine
Regierung, sie ist schädlich für unser Land.
Deshalb müssen wir, CDU
und CSU, alles dafür tun, Rot-Grün abzulösen. Wir müssen und wir können
Deutschland wirtschaftlich wieder nach vorne bringen. Wo CDU und CSU in den
Ländern regieren, kann heute schon jeder sehen: Wir stellen die Weichen für
mehr Wachstum. Wir schaffen mehr Beschäftigung. Wir wirtschaften finanziell
solider. Wir reden nicht nur, wir handeln!
Wir haben als
bürgerlich-konservative Parteien aber auch eine besondere Verantwortung, den
gesellschaftlichen Zusammenhalt zu sichern und die tragenden Werte und Tugenden
in Deutschland wieder mehr zu betonen. Auch da haben wir als
bürgerlich-konservative Partei eine besondere Aufgabe und Verantwortung in
Deutschland und in Europa.
Es geht dabei nicht um
Fortschrittsfeindlichkeit, im Gegenteil. CDU und CSU stehen für die Förderung
der Forschung, für die Chancen der Globalisierung, für das Vorantreiben der
Innovation in Deutschland.
Die klassische Aufgabe
einer konservativen Partei, Werte, Traditionen und Tugenden zu bewahren, ist
Politik zur Sicherung unserer Zukunft.
Hier geht es um die
Grundvoraussetzungen eines menschenwürdigen Zusammenlebens, um den
langfristigen Zusammenhalt unserer Gesellschaft.
Die Menschen in
Deutschland und Europa müssen in einer Zeit der Globalisierung doch ohnehin
eine Menge an Veränderungen und Verunsicherungen hinnehmen und verkraften. Und
wir erleben doch einen mehr und mehr um sich greifenden Zeitgeist in unserer
Gesellschaft, der nur das Neue, nur das Fremde, nur das Grelle, Schräge und
Coole gelten läßt.
Neue Einflüsse,
Buntheit – das mag ja alles positiv sein. Aber wir dürfen die Menschen auch
nicht überfordern. Eine Gesellschaft braucht Kontinuität und Halt in gemeinsamen
Werten und Traditionen, sonst fällt sie auseinander. Wer soll sich denn um den
notwendigen Erhalt der Balance zwischen Verändern und Bewahren kümmern, wenn
nicht CDU und CSU?
Wir müssen dafür
sorgen, daß die Werte und Tugenden unserer Gesellschaft wieder mehr Bedeutung
erhalten:
- Respekt vor dem Leben
– auch vor dem ungeborenen und dem behinderten Leben, weil sich mit den
Möglichkeiten der Gentechnologie die Frage der Menschenwürde mit neuer Schärfe
stellt.
- Respekt vor
Minderheiten, aber auch Respekt vor dem Willen und den Werten der Mehrheit,
weil das unseren demokratischen Grundsätzen.entspricht und weil es dabei um die
gewachsene Identität unseres Volkes geht.
- Solidarität mit den
Schwachen, aber Einfordern von Eigenverantwortung bei den Starken, weil nur so
Leistungsgerechtigkeit und soziale Stabilität gesichert werden können.
- Bekenntnis zu einem geläuterten
Patriotismus, weil die Identifikation mit der Heimat ein Bedürfnis der Menschen
ist und weil die Nation als Verantwortungsgemeinschaft auch im
zusammenwachsenden Europa unersetzlich ist.
- Mitmenschlichkeit,
Verläßlichkeit, Fleiß und Leistungsbereitschaft, ohne die eine Gesellschaft
nicht funktionieren kann.
- Schließlich geht es
um die Erhaltung unserer christlich-abendländischen Kultur, in der alle diese
Werte und Tugenden wurzeln.
Ich bin der
Überzeugung: Die Menschen in Deutschland sind bereit für eine solche
wertorientierte Politik. Unsere Politik ist eine Angebot an die bürgerliche
Mitte, an die breiten Schichten in der Bevölkerung, die ihr Leben an Werten und
Tugenden ausrichten, denen Anstrengung und Leistung
etwas bedeutet, die an
Ehe und Familie festhalten, denen Vertrauen, Verläßlichkeit und Solidarität am
Herzen liegen, ohne die keine Gesellschaft und kein Sozialstaat existieren
können.
Deshalb wollen und
müssen wir in Deutschland wieder politische Verantwortung übernehmen.
CDU und CSU können
siegen und wir werden wieder siegen,
- wenn wir nur den
unbedingten Willen dazu haben,
- wenn wir wieder mit
Selbstvertrauen an die Lösung der großen Aufgaben in Deutschland gehen und
- wenn wir geschlossen
diesen Aufbruch tragen.
Diese Geschlossenheit
verkörpert in besonderer Weise unsere gemeinsame Bundestagsfraktion als Klammer
zwischen CDU und CSU. Sie ist das Herzstück für die erfolgreiche Zusammenarbeit
der Unionsschwestern. Ich danke an dieser Stelle ganz besonders dem
Vorsitzenden unserer Fraktion, Friedrich Merz, für seine engagierte und
kompetente parlamentarische Arbeit.
Und, lassen Sie mich
auch eines offen ansprechen: Ich stimme mit Angela Merkel völlig überein! Wir
beide werden unseren beiden Parteien Anfang des Jahres 2002 einen Vorschlag für
den Kanzlerkandidaten der Union unterbreiten. Es war richtig und es bleibt
richtig, diese entscheidende Herausforderung für unsere politische Gegner zu
Beginn des Wahljahres zu präsentieren.
Meine Damen und Herren!
Von diesem Parteitag
geht ein Signal aus. Er ist das Signal: Die CDU kann und wird Deutschland
wieder voranbringen.
- Wer will, daß
Deutschland wieder ein wirtschaftlich starkes Land werden soll, der muß mit uns
für einen politischen Wechsel in Deutschland kämpfen.
- Wer will, daß Deutschland
ein soziales und damit auch menschliches Land bleiben soll, der muß mit uns für
einen politischen Wechsel in Deutschland kämpfen.
- Wer will, daß
Deutschland eine Gesellschaft bleiben soll, in der Integration groß geschrieben
wird und in der gemeinsame Werte unser Zusammenleben bestimmen, der muß mit uns
für den politischen Wechsel kämpfen.
Lassen Sie uns
gemeinsam an die Arbeit gehen!