Reden des Vorsitzenden der Christlich-Sozialen Union,

Ministerpräsident Dr. Edmund Stoiber auf dem 66. Parteitag der CSU

am Freitag, 12. Oktober 2001 und am Samstag, den 13. Oktober 2001

in Nürnberg

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Rede Freitag:

 

Anrede

Der diesjährige Parteitag der CSU steht unter dem Eindruck der dramatischen weltpolitischen Entwicklungen seit dem 11. September 2001. Durch die barbarischen Anschläge von New York und Washington haben Tausende von Menschen ihr Leben verloren. Blindwütiger und menschenverachtender Terror hat zahllose Familien zerstört und unermeßliches Leid über die Angehörigen gebracht. Kinder haben ihre Eltern verloren, viele ihren geliebten Lebenspartner.

Allen Opfern gilt das Gedenken dieses Parteitages, allen Angehörigen unsere Anteilnahme und unser Mitgefühl. Wir haben heute bei unserem Ökumenischen Gottesdienst dafür gebetet, daß alle Trauernden Trost und Kraft im Glauben finden. Unser Gedenken und Mitgefühl gilt aber auch den Opfern und Angehörigen des Flugzeugunglücks von Mailand. Dies habe ich auch dem italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi gegenüber zum Ausdruck gebracht. Es ist eine Selbstverständlichkeit, daß Silvio Berlusconi morgen nicht zu uns sprechen kann, weil er in seiner Heimatstadt Mailand an einer Gedenkveranstaltung für die Opfer des Flugzeugunglücks teilnimmt.

Meine Damen und Herren, der 11. September ist nicht nur eine menschliche Tragödie. Wir stehen an einem Wendepunkt der Weltpolitik mit bisher ungeahnten Herausforderungen durch den internationalen Terrorismus, aber auch mit einer bisher kaum für möglich gehaltenen internationalen Solidarität. So wie das Jahr 1989 für das Ende des 20. Jahrhunderts steht, so könnte der 11. September für den Ausgangspunkt der Weltordnung des 21. Jahrhunderts stehen. Nach dem Ende des Kalten Krieges 1989 glaubten viele: Die Werte unserer Gesellschaft, Freiheit, Menschenrechte, Demokratie und Marktwirtschaft, hätten sich mit dem Untergang des Kommunismus endgültig durchgesetzt. Sie seien heute selbstverständlich und nicht mehr bedroht. Es gebe allenfalls noch einige regionale Konflikte.

Der 11. September hat gezeigt: Diese Gewißheit war ein Fehler. Unsere Werte, Frieden und Freiheit, die Gesellschaft, in der wir leben wollen, sind bedroht – weltweit. Franz Josef Strauß hat immer betont: Jede Generation muß um Frieden und Freiheit neu ringen, um sie neu kämpfen. Das hat sich am 11. September auf bittere Weise bewahrheitet.

Meine Damen und Herren, der 11. September könnte auf den ersten Blick die These von Samuel Huntington, der Ost-West-Konflikt werde von einem Kampf der Kulturen abgelöst, bestätigen. Aber lassen wir uns nicht täuschen: Die Anschläge sind nicht das Werk einer Kultur oder einer Religion, sie sind das Werk einiger terroristischer Extremisten. Die ganz überwiegende Anzahl der Muslime und der islamischen Staaten– auch wenn es darunter keine Demokratien unserer Prägung gibt – lehnen diese Barbarei scharf ab. Religion kennt keinen Terror, der Islam genauso wenig wie alle anderen Weltreligionen!

Aber machen wir uns nichts vor. Leute wie Osama bin Laden wollen diesen Kampf der Kulturen. Ich zitiere aus seiner bizarren Videoansprache: „Die Schlacht zwischen dem Glauben und dem Unglauben hat begonnen. ...Die USA und die Leute, die in den USA leben, werden niemals mehr Sicherheit erleben."

Solche Aussagen sind eine Kriegserklärung an die gesamte zivilisierte Welt! Dafür dürfen wir aber nicht den Islam verantwortlich machen. Es darf keine pauschale Verurteilung des Islam und seiner Glaubensangehörigen geben. Das wollte ich auch mit meinem Besuch hier in der Nürnberger Moschee kürzlich deutlich machen.

Aber wir erwarten:

Die islamischen Geistlichen müssen klar machen, daß sich die Terroristen nicht auf den Islam berufen können.

Unsere islamischen Mitbürgerinnen und Mitbürger müssen uns bei unserem entschlossenen Vorgehen gegen jedweden Extremismus unterstützen. Lippenbekenntnisse allein reichen nicht!

Meine Damen und Herren, Worin liegt die eigentliche historische Zäsur des 11. September? Sie liegt darin, daß wir heute vor einer völlig neuen, dramatischen Dimension der Bedrohung unserer Sicherheit stehen. Die Bedrohung richtet sich gegen die Werte der gesamten zivilisierten Welt. Trotz aller Unterschiede gibt es in allen Ländern, Kulturen und Religionen der Welt gemeinsame Grundwerte, wie sie zum Beispiel in der Charta der Vereinten Nationen niedergelegt sind. Diese Grundwerte wollen die Terroristen und ihre Beschützer vom Taliban-Regime vernichten! Ihnen geht es um die Einführung eines Steinzeit-Systems, wie es zur Zeit in Afghanistan bittere Realität ist.

Weltkulturgüter werden zerstört, wie z.B. die weltberühmten Buddhastatuen von Bamiyan, die einfach gesprengt wurden. Kindern wird die Schulbildung verweigert. Statt Lesen und Schreiben lernen sie auf Koran-Schulen, daß es nichts Größeres gibt, als im Kampf für den Islam zu sterben. Frauen werden entrechtet. Sie bekommen keine Ausbildung und dürfen nicht berufstätig sein. Der Kampf erfolgt mit ungekannter Brutalität und Menschenverachtung. Jede Waffe scheint recht, sofern sie nur möglichst viele Menschen tötet. Unschuldige Zivilisten werden gezielt ermordet. Selbst auf das eigene Leben wird keine Rücksicht mehr genommen. Die Bedrohung kommt aus dem Dunkeln: Die Bedrohung geht nicht von einem konkreten Staat aus, sondern von einem weltweiten, unsichtbaren Terrornetz. Der Terror kann überall zuschlagen und jeden zu jederzeit treffen. Er soll lähmende Angst verbreiten.

Meine Damen und Herren,

dieses neue Bedrohungsszenario stellt uns vor enorme Herausforderungen. Die zentrale politische Botschaft des 11. September lautet: Freiheit, Menschenrechte, Demokratie und Rechtsstaat müssen entschlossenen vor ihren Feinden geschützt werden. Unsere Demokratie braucht nach innen und außen einen wehrhaften Staat! Dafür stand und steht die CSU!

Das Bewußtsein für diese zentrale Aufgabe des Schutzes der Menschen durch einen starken Staat, der dazu nach innen und außen über die notwendigen Instrumente verfügt, ist in den letzten Jahren in Deutschland viel zu kurz gekommen. Das hat sich seit dem 11. September grundlegend geändert. Michael Stürmer, der nachher mit uns diskutieren wird, hat das auf den Punkt gebracht. Ich zitiere: „Am 11. September trat der Ernstfall ein, und er wird lange gelten. Zu den Folgen gehört, daß in der gesamten westlichen Welt der Staat wiederentdeckt wird – und wäre dem nicht so, dann wäre zuerst die Sicherheit verloren und dann die Freiheit."

Heute ist die Politik neu gefordert. Die Menschen erwarten Schutz und Sicherheit. Staat und Politik sind in ihrer ursprünglichen Funktion gefordert. Es geht jetzt entscheidend darum, konsequent und glaubwürdig den langen Feldzug gegen den Terrorismus zu führen. Es geht jetzt entscheidend darum, der inneren und äußeren Sicherheit konsequent und glaubwürdig die absolute Priorität einzuräumen.

Die CSU war und ist die Partei der inneren und äußeren Sicherheit! Politik für die innere und äußere Sicherheit war immer ein Markenzeichen von CDU und CSU. Das wird auch so bleiben. Denn Sicherheit braucht Verläßlichkeit und Kompetenz!

Die CSU stand immer an der Seite unserer Polizisten - andere haben sie als Bullen diffamiert. Lassen Sie mich gerade auch heute einen Dank an unsere Polizisten aussprechen. Sie leisten einen unverzichtbaren, oft harten und aufopferungsvollen Dienst für die Sicherheit der Menschen in unserem Land.

Die CSU stand immer für einen starken Verfassungsschutz – andere wollten ihn noch bis vor kurzem abschaffen.

Die CSU stand immer für eine starke Bundeswehr – andere skandierten bis vor kurzem noch „Soldaten sind Mörder"

Diese „anderen" haben Namen. Es sind auch solche darunter, die Deutschland regieren oder diese Regierung mittragen.

Meine Damen und Herren,

Wir fordern seit Jahren eine bundesweite Regelanfrage beim Verfassungsschutz vor Einbürgerungen. Rot-Grün war dagegen. Jetzt endlich schwenkt Schily um.

Wir fordern seit Jahren die Wiedereinführung der Kronzeugenregelung. Rot-Grün war jahrelang dagegen. Jetzt endlich schwenkt Schily um.

Wir fordern seit Jahren eine stärkere Kooperation zwischen Verfassungsschutz und Polizei. Rot-Grün war jahrelang dagegen. Jetzt endlich schwenkt Schily um.

Das zeigt doch, wer hier von wem abschreibt. Otto Schily hechelt uns doch immer nur hinterher!

Wir sind das Original! Innere Sicherheit hat in Deutschland nur einen Namen: Günther Beckstein!

Meine Damen und Herren, wer wie Rot-Grün über Jahrzehnte hinweg aus ideologischen Gründen die wehrhafte Demokratie nach innen und außen in Frage gestellt hat, dem fehlt jetzt die politische Kraft und die Glaubwürdigkeit im Kampf gegen den Terrorismus.

Meine Damen und Herren, ich stimme dem Bundeskanzler ja zu, wenn er – wie er es auch am Donnerstag in seiner Regierungserklärung getan hat – ein entschiedenes Vorgehen gegen den Terrorismus fordert und Amerika uneingeschränkte Solidarität zusichert. Dazu hat er allerdings keine stabile Koalition hinter sich, die dies auch uneingeschränkt mitträgt. Er muß doch in ständiger Angst leben, daß ihm der grüne Koalitionspartner wegbricht, wenn die zugesagte Solidarität einen wirklich ernsthaften militärischen Beitrag erfordert. Dies gilt genau so für die jetzt notwendigen weitreichenden Maßnahmen zur Stärkung der inneren Sicherheit.

Mit seinen starken Worten steht der Regierungschef auf dem Boden einer schwankenden Koalition. Je mehr Solidarität mit den USA er in die Tat umsetzt, desto schwankender wird die Solidarität in seiner Koalition. Das ist kein tragfähiges Fundament für eine starke und handlungsfähige Regierung, die wir in dieser Krisensituation so dringend brauchen!

Und wie verträgt sich eigentlich die Solidaritätsbekundung gegenüber den USA mit dem grünen Licht, das der SPD-Bundesvorsitzende Gerhard Schröder für eine Koalition mit der PDS, dieser Brutstätte des Antiamerikanismus, gerade in der Bundeshauptstadt, gibt?

In den alten Ländern ist der Antiamerikanismus der PDS weniger ein Problem, weil sie dort keinen nennenswerten Einfluß hat. Das ist in den neuen Ländern ganz anders. Hier ist sie zum Teil an der Regierung beteiligt.

Das schürt doch geradezu Mißtrauen und Vorbehalte bei unseren Verbündeten. Das isoliert uns in der westlichen Staatengemeinschaft.

Die Zusammenarbeit der SPD mit der PDS in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt muß schon aus diesen staatspolitischen Gründen sofort beendet werden!

Meine Damen und Herren, unsere Demokratie und unsere Werte werden wir dauerhaft nur schützen können, wenn wir die internationale Zusammenarbeit und Solidarität suchen. Den global agierenden Terrorismus können wir nur global bekämpfen. Wir sind existentiell auf die Solidarität der internationalen Staatengemeinschaft angewiesen. Denn wir müssen ganz klar sehen: Ein Land, das sich außerhalb der internationalen Solidarität stellt, kann nicht erwarten, Solidarität zu erfahren, wenn es selbst zur Zielscheibe der Terrorristen wird. Deutschland muß deshalb einen solidarischen Beitrag in der internationalen Staatengemeinschaft leisten, der der Größe und Bedeutung unseres Landes entspricht.

Aber Deutschland ist doch heute bereits nicht einmal mehr in der Lage, auch nur alle die internationalen Verpflichtungen zu erfüllen, die wir bereits eingegangen sind, bevor das neue Bedrohungsszenario sichtbar wurde. Durch die Beschlüsse beim 50. Jahrestag der NATO hat sich auch Deutschland zur Verstärkung der Verteidigungsfähigkeit verpflichtet. Durch die Beschlüsse von Helsinki im Dezember 1999 hat sich die Europäische Union zu einer europäischen Eingreiftruppe von 60.000 Mann verpflichtet. Daran soll sich Deutschland zu 30 % beteiligen. Gegenüber den Vereinten Nationen hat sich Deutschland verpflichtet, für Einsätze der UNO Truppen in ständiger Einsatzbereitschaft zu haben. Durch das Eingreifen der NATO auf dem Balkan befindet sich die Bundeswehr bereits in einem personal- und kostenintensiven Auslandseinsatz.

Damit Deutschland all diese schon eingegangenen internationalen Verpflichtungen erfüllen kann, bräuchte die Bundeswehr einen Umfang von mindestens 300.000 Mann. Die in der Bundeswehrreform vorgesehene Reduzierung muß unbedingt rückgängig gemacht werden. Wir haben die Regierung immer vor einer solchen Reduzierung gewarnt – jetzt zeigt sich: Zu Recht!

Der Verteidigungshaushalt muß auf 50 Milliarden Mark aufgestockt werden, damit die notwendigen Investitionen in unsere Verteidigungs- und Bündnisfähigkeit erfolgen können. Selbst der Generalinspekteur der Bundeswehr, Kujat, widerspricht öffentlich dem  Bundeskanzler und wird nicht müde, immer wieder auf die dramatische Unterfinanzierung der Bundeswehr hinzuweisen. Ich zitiere „Die Bundeswehr muß endlich die notwendigen Finanzmittel erhalten, um ihre Aufgaben weiter erfüllen zu können. So kann es nicht weitergehen."

Deutschland wendet gegenwärtig nur 1,5 % des Bruttoinlandsprodukts für Verteidigung auf, die USA und Frankreich das doppelte. Deutschland bildet mit dem Großherzogtum Luxemburg das Schlußlicht der europäischen NATO-Staaten. Damit setzen wir international unseren Ruf als verläßlicher Partner aufs Spiel.

Meine Damen und Herren, wir wissen heute: Die Anschläge vom 11. September sind maßgeblich in Deutschland, in Hamburg, geplant und vorbereitet worden. In keinem anderen westlichen Land außerhalb der USA haben die Massenmörder von New York so viele Spuren hinterlassen wie in unserem. Das wirft einen dunklen Schatten auf unser Land! Wenn Terroristen Deutschland als Ruheraum und sogar als Vorbereitungsraum betrachten, zeigt das: Bei uns stimmt etwas nicht!

Deswegen müssen wir auch bei der Inneren Sicherheit neue Wege gehen! Vieles von dem, was die Bundesregierung ankündigt, geht auch in die richtige Richtung. Aber: Es reicht nicht! Da muß nachgelegt werden!

Für uns steht fest: Wir brauchen angesichts der Dimension der Herausforderungen einen über-greifenden Konsens zumindest der großen Volksparteien. Deshalb schlagen wir die Einsetzung eines Nationalen Sicherheitsrats vor, in dem ähnlich wie in Zeiten des RAF-Terrors das Notwendige rasch und entschlossen in gemeinsamer Verantwortung umgesetzt wird!

Der 11. September hat auch gezeigt: es gibt keine Trennung zwischen Innerer und Äußerer Sicherheit mehr. Der globale Terror kann von außen kommen, er kann sich aber auch längst im Inneren eingenistet haben, um plötzlich aktiv zu werden und zuzuschlagen.

Der Bundeskanzler hat in seiner Regierungserklärung am Donnerstag ausgeführt, er halte an der Trennung von innerer und äußerer Sicherheit fest. Das zeigt: er hat die neue Dimension der Bedrohung für unser Land immer noch nicht erkannt!

Es kann Situationen geben, in denen alleine die Polizei die Innere Sicherheit nicht mehr gewährleisten kann: Denken Sie an Gefahren durch biologisch-chemische Waffen. Denken Sie an entführte Flugzeuge, die als Waffe eingesetzt werden sollen. Die Polizei kann die Bevölkerung davor nicht schützen. Sie hat weder Abwehrmittel gegen Biowaffen noch Flugabwehrraketen oder Abfangjäger! Für diese Aufgaben brauchen wir die Bundeswehr!

Und ein weiteres: Die gegenwärtigen Sicherungsmaßnahmen binden eine gewaltige Zahl an Polizisten. Sie müssen viel stärker als vorher öffentliche Gebäude bewachen oder Großveranstaltungen wie diesen Parteitag schützen. Diese Polizisten fehlen natürlich an anderer Stelle für wichtige Polizeiarbeit. Es ist doch absurd, daß die Bundeswehr in Ausnahmesituationen wie diesen nicht auch zivile Objekte bewachen und dadurch die Polizei entlasten darf. Die können das genauso gut wie Polizei und BGS - das zeigen unsere Soldaten jeden Tag aufs Neue, im Kosovo genauso wie hier in Bayern bei der Bewachung der Bundeswehrkasernen.

Deshalb müssen wir klare Rechtsgrundlagen im Grundgesetz für einen Einsatz der Bundeswehr auch im Innern schaffen! Das ist in den USA, in Frankreich und in Großbritannien eine Selbstverständlichkeit. Für Deutschland werden wir dies allerdings nur durchsetzen, wenn CDU und CSU diese Position wie auch andere Grundsatzfragen geschlossen vertreten. Mancher sollte sich in der Frage der Geschlossenheit ein Beispiel nehmen an der guten und fairen Zusammenarbeit zwischen den beiden Parteivorsitzenden, zwischen Angela Merkel und mir.

Meine Damen und Herren, wir brauchen zeitgemäßere Regeln für den Datenschutz. Natürlich ist das Recht auf Datenschutz ein wichtiges Grundrecht. Wir wollen keinen Überwachungsstaat! Aber ich habe den Eindruck, daß bei uns Datenschutz zu oft in erster Linie Täterschutz ist! Das müssen wir ändern. Nehmen Sie einmal folgendes Beispiel: Ein Islamist will in Algerien einen fundamentalistischen Gottesstaat errichten - auch mit Gewalt. Deshalb wird er aus seinem Land vertrieben. Er kommt nach Deutschland kann aber nicht abgeschoben werden, weil ihm in Algerien Folter und Todesstrafe drohen. Das Asyl-Bundesamt, das die terroristische Einstellung des Mannes aus dem Asylverfahren kennt, darf aber derzeit weder Polizei noch Verfassungsschutz darauf hinweisen. Das ist doch Wahnsinn! Wir halten uns hier durch überzogenen Datenschutz künstlich dumm!

Meine Damen und Herren, in Deutschland gibt es nach Erkenntnissen des Verfassungsschutzes 31.000 amtsbekannte islamistische Extremisten, von denen ein Teil gewaltbereit ist. Wer mit dem Terror sympathisiert, hat in unserem Land keinen Platz! Diese Leute müssen unser Land verlassen – und zwar so schnell wie möglich! Wir erwarten von Otto Schily, daß er dafür endlich die notwendigen Rechtsgrundlagen schafft!

Meine Damen und Herren, jede Zeit hat ihre eigenen Herausforderungen, jede Herausforderung fordert eigene, neue Lösungen. Seit dem 11. September steht die Politik der inneren und äußeren Sicherheit auf dem Prüfstand. Darüber wollen wir heute Nachmittag mit Experten diskutieren.

 

Rede Samstag:

 

Anrede,

 

Der 66. Parteitag der CSU ist kein „normaler“ Parteitag. Schreckliche Ereignisse haben uns die Themen und Änderungen unseres Programms aufgezwungen. Eigentlich sollte vor mir der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi sprechen. Wegen des tragischen Flugzeugunglücks in Mailand kann er leider heute nicht bei uns sein. Sein Platz ist an diesem Tag bei der Trauerfeier für die Opfer des Unglücks. Gestern haben wir in unserem Forum “Sicherheitspolitik im 21. Jahrhundert” mit Experten aus Militär, Innen- und Außenpolitik, Islamforschung, Kultur und Geschichte des Nahen Ostens über die Konsequenzen des schrecklichen Anschlags vom 11. September diskutiert und unsere Antworten auf die neue Herausforderung an unsere Sicherheit und Freiheit formuliert. In dieser Diskussion war immer wieder die Betroffenheit zu spüren, die dieser Anschlag ausgelöst hat, der unermeßliches Leid für Tausende unschuldiger Menschen gebracht hat.

Niemand von uns wird jemals die Bilder vergessen, wie sich Menschen ohne Hoffnung auf Rettung aus den Fenstern des World Trade Center gestürzt haben. Niemand von uns wird die Berichte von Angehörigen vergessen, deren Frauen, Männer, Kinder im Angesicht des Todes aus den gekaperten Flugzeugen oder den brennenden Büros eine letzte telefonische Botschaft gesandt haben. Niemand von uns wird die Feuerwehrleute und Einsatzkräfte vergessen, die den Opfern des Anschlags zu Hilfe kommen wollten und dabei selbst ums Leben kamen.

Wir stehen fassungslos, traurig und zornig zugleich vor diesem Verbrechen.

Doch die Diskussion hat vor allem eines deutlich gemacht: So selbstverständlich, wie wir mit Betroffenheit auf diese Tat reagieren, so selbstverständlich muß auch unsere Entschlossenheit zu handeln sein.

Die – durchaus richtige - Mahnung zur Besonnenheit darf sich nicht nur auf die Reaktion der USA beziehen. Auch wir müssen uns besinnen, und zwar besinnen auf die richtigen Prioritäten, die wir als Folge des 11. September setzen müssen. Wir müssen uns klar machen, was auf dem Spiel steht.

In welcher Gesellschaft wollen wir eigentlich leben?

Welche Werte wollen wir bewahren?

Und: Welche Prioritäten müssen wir setzen, um dies zu erreichen?

 

Meine Damen und Herren!

Wir wollen in einer Gesellschaft der Freiheit leben. Freiheit heißt Selbstbestimmung, Eigenverantwortung und Demokratie. Freiheit heißt Religions- und Meinungsfreiheit. Diese Werte sind durch den Terror religiöser Extremisten massiv bedroht. Bin Laden hat den Beginn einer „Schlacht der Gläubigen gegen die Ungläubigen“ ausgerufen. Er hat gesagt: „Die Feindseligkeit gegenüber Amerika ist eine religiöse Pflicht.“ An keinem Ort der Welt sollen sich die sicher fühlen können, die von den Terroristen in ihrem blinden Haß als Ungläubige, als Verbündete Israels und als Feinde der islamischen Welt ausgemacht werden.

Flugzeuge können als Massenvernichtungswaffen auf jedes Ziel gelenkt werden, Briefe können Überträger tödlicher Milzbrandbakterien sein – wer in Angst vor einer solchen Bedrohung lebt, ist nicht mehr frei.

Ohne innere und äußere Sicherheit keine Freiheit. Gerade der 11. September hat das deutlicher denn je gemacht: Ohne Sicherheit keine Freiheit!

Wie oft sind wir wegen dieser Aussagen in der Vergangenheit diffamiert worden und wie viele bei den Grünen denken noch heute so, wie Schily und Fischer formuliert haben, bevor sie ihre Ambition zum Minister entwickelt haben!

 

Meine Damen und Herren!

Der 11. September hat uns gezeigt: Wir dürfen Freiheit und Sicherheit nie als Selbstverständlichkeit sehen, sondern wir müssen immer wieder neu darum kämpfen.

Natürlich haben heute viele Angst. Aber wir dürfen uns davon nicht lähmen lassen.

Wir sollten uns ein Beispiel nehmen an der Bereitschaft der Amerikaner, für ihre Werte, für die Freiheit und für die Demokratie einzutreten und zu kämpfen, an ihrer Zuversicht und ihrer Unbeugsamkeit. Dieses Bewußtsein brauchen auch wir für die neuen Herausforderungen, vor denen wir stehen.

 

Meine Damen und Herren!

Uns ist am 11. September klar geworden, daß wir Zeugen eines Paradigmenwechsels sind: Der Kalte Krieg ist zu Ende, der eiskalte internationale Terror hat begonnen.

Die Anschläge von New York und Washington waren eine Kriegserklärung an die gesamte freie Welt. Welche Veränderung der Terrorakt für die bestehende Weltarchitektur bedeuten kann, zeigt die jüngste Erklärung des Bündnisfalls durch die Nato: Ein Bündnis des Westens, gegründet zum Schutz gegen die Sowjetunion, beschließt den Bündnisfall und wird dabei ausdrücklich unterstützt vom russischen Präsidenten. Vor wenigen Jahren wäre das noch unvorstellbar gewesen. Unsere große Aufgabe und Verantwortung ist es, diese Chance einer neuen internationalen Zusammenarbeit zu ergreifen und eine neue Architektur der internationalen Staatengemeinschaft zu schaffen.

Zu dieser neuen Architektur muß Deutschland einen glaubwürdigen Beitrag leisten – politisch, aber auch militärisch und in den Maßnahmen zur inneren Sicherheit.

Wir haben deshalb gestern einen umfassenden Leitantrag verabschiedet, der unsere Forderungen zum notwendigen deutschen Beitrag im Rahmen der internationalen

Solidarität und in der Innenpolitik zusammenfaßt.

Vielen Dank Michael Glos und Günther Beckstein für die Konzipierung dieses Leitantrags.

Damit unterstreichen wir: Die CSU ist die Partei der Sicherheit und Verläßlichkeit!

 

Meine Damen und Herren! 

Auch die Bundesregierung bezieht in diesen Fragen Position. Und ich sage auch heute noch einmal: In vielen Punkten stimmen wir mit den Forderungen und Programmen der Bundesregierung überein!

Aber: In wesentlichen Punkten geht Rot-Grün nicht weit genug oder ist schlichtweg unglaubwürdig!

Beispiel Bundeswehr: Der Bundeskanzler verspricht uneingeschränkte Solidarität bis hin zum Einsatz von Soldaten. Doch was sollen unsere Partner von diesem Versprechen halten, wenn der Generalinspekteur der Bundeswehr Kujat bereits vor dem 11. September mehrfach öffentlich gesagt hat:

„Die Bundeswehr ist ganz klar nicht mehr 100%ig einsatzfähig“ 

„Wir gehen materiell auf dem Zahnfleisch, was Materialerhaltung und Einsatzbereitschaft des Gerätes angeht“ 

Das hat es so in der deutschen Nachkriegszeit noch nie gegeben. Das zeigt die Dramatik der Situation unserer Streitkräfte!

Diese Aussagen hätten doch für den Bundeskanzler ein Alarmsignal erster Ordnung sein müssen! Passiert ist aber nichts!

Bis heute fehlt die notwendige Ausrüstung . So ist zum Beispiel der Minenschutz der im Kosovo eingesetzten Fahrzeuge wie dem Marder nicht ausreichend, weil das Geld für notwendige Nachrüstung fehlt. Das geht auf Kosten der Sicherheit unserer Soldaten!

Das meiste Material - von der Transall bis zum Kampfpanzer Leopard I - ist älter als die Soldaten, die es bedienen. Das ist so, als ob Sie, meine Damen und Herren, heute noch mit einem fünfundzwanzig Jahre alten Auto fahren oder mit einer Telefonanlage aus den 70er Jahren telefonieren müßten!

Es fehlt sogar Geld, das vorhandene alte Material instand zu halten. Die Soldaten müssen z.B. Panzer ausschlachten, um andere wieder flott zu kriegen.

Der Grund für diese gravierenden Mängel ist eine chronische Unterfinanzierung der Bundeswehr.

Rot-Grün hat den Verteidigungshaushalt systematisch zusammengestrichen! Wir liegen beim Anteil der Verteidigungsausgaben am Bruttoinlandsprodukt unter den europäischen Nato-Partnern an letzter Stelle. Das ist auch kein Wunder: Einem Verteidigungsminister, der mit derartigen Kapriolen öffentlich Schlagzeilen macht, fehlt auch die Autorität, das Notwendige für seine Soldaten durchzusetzen.

Aber wenn Scharping schon nicht die Kraft hat, dann müßte der Kanzler seiner Verantwortung für die Sicherheit unseres Landes gerecht werden!

Wenn Schröder jetzt die Steuern erhöht und der Bundeswehr 1,5 Milliarden Mark mehr zur Verfügung stellt, ist das reine Augenwischerei: Allein zur Finanzierung unabweisbarer Investitionen fehlen der Bundeswehr derzeit pro Jahr etwa 3 Milliarden Mark! Wenn Rot-Grün jetzt einmalig 1,5 Milliarden Mark gibt, ist das nicht einmal die halbe Miete!

Dieses Geld soll nicht dem Verteidigungshaushalt zu Gute kommen. Der  Bundesverteidigungsminister muß für jede Investition um Erlaubnis des Finanzministers betteln.

Die Einsatzfähigkeit unserer Soldaten leidet natürlich auch, weil die Motivation in der Truppe auf dem Tiefpunkt ist.

Die Soldaten fühlen sich von dieser Regierung im Stich gelassen. Sie verspüren – so sagte der frühere Generalinspekteur Dieter Wellershoff kürzlich, eine „innere Distanz, ja Feindschaft in Teilen der Regierungskoalition gegen die Bundeswehr“

Nicht ohne Grund: Rot-Grün war noch nie klar und konsequent zur äußeren und inneren Sicherheit gestanden. Im Gegenteil: Das Bewußtsein dafür, daß Deutschland nach außen wie nach innen eine wehrhafte Demokratie sein muß, ist in den letzten Jahrzehnten gerade von Rot-Grün systematisch ideologisch ausgehöhlt worden. Die Generation der 68 er hat ein feindliches Klima gegen die innere und äußere Sicherheit geschaffen. Wer für mehr Sicherheit eintrat, wurde damals in die rechte Ecke gestellt. Selbst der frühere SPD-Bundeskanzler Helmut Schmidt hat seine konsequente Haltung zum NATO-Doppelbeschluß letztlich mit dem Verlust seines Amtes bezahlt. Und diejenigen, die jetzt Regierungsverantwortung tragen, haben daran entscheidend mitgewirkt.

Es ist eine historische Tatsache, daß alle wesentlichen sicherheitspolitischen Richtungsentscheidungen seit der Gründung der Bundesrepublik auf erbitterten Widerstand in weiten Teilen der SPD und später erst recht bei den Grünen gestoßen sind:

Nein zur Schaffung der Bundeswehr, Nein zu den Notstandsgesetzen, Nein zum Radikalenerlaß, Nein zum NATO-Doppelbeschluß, um nur die wichtigsten Entscheidungen zu nennen.

„Soldaten sind Mörder“ war eine Parole in den 90er Jahren. CDU und CSU wollten im Bundestag die Strafbarkeit solcher Verleumdungen durchsetzen. Die SPD war dagegen und hat unsere Soldaten jämmerlich im Stich gelassen!

Rot-Grün hat jahrelang notwendige Maßnahmen zur Kriminalitätsbekämpfung als unnötige Bedrohung der Freiheit und als Marsch in den Überwachungsstaat abgelehnt: Gegen Schleierfahndung, gegen mehr Kompetenzen für den Verfassungsschutz, gegen den Unterbindungsgewahrsam.

In den rot-grün regierten Ländern wurde der Verfassungsschutz so weit zurück gefahren, daß er nicht mehr leistungsfähig ist. In Niedersachsen wurde er unter dem damaligen Ministerpräsidenten Schröder sogar halbiert! Sehr zur Genugtuung des damaligen Landesministers Trittin: Es sei damit gelungen, den Verfassungsschutz „in Ketten“ zu legen. Rot-Grün hat systematisch ein Klima geschaffen, in dem Institutionen, die unsere Freiheit und Sicherheit schützen sollen, zu Feinden unseres Staates abgestempelt wurden!

 

Meine Damen und Herren!

Wer wie Rot-Grün über Jahrzehnte hinweg aus ideologischen Gründen die wehrhafte Demokratie nach innen und außen in Frage gestellt hat,

wer wie Rot-Grün über Jahrzehnte hinweg die Bedeutung der Sicherheit für die Freiheit verkannt hat,

wer wie Rot-Grün jahrelang einen unverhohlenen Antiamerikanismus gepflegt hat,

wer wie Rot-Grün im Kalten Krieg sogar von Äquidistanz zu Moskau und Washington gesprochen hat und

wer heute keine Skrupel hat, zur Erringung der Macht mit einer PDS zu koalieren, die Amerika das Recht zur militärischen Verteidigung abspricht, dem fehlt die Glaubwürdigkeit und die Kompetenz zur Lösung der herausragenden Zukunftsaufgabe zu Beginn des 21. Jahrhunderts.

Sicherheit braucht Glaubwürdigkeit, Kompetenz und Verläßlichkeit!

 

Meine Damen und Herren!

Im November wird die SPD hier in Nürnberg ihren Bundesparteitag abhalten. Im Mittelpunkt wird dabei die Verabschiedung des Grundsatzpapiers „Sicherheit im Wandel“ stehen. In diesem Papier findet sich bis heute kein einziger Satz zur inneren und äußeren Sicherheit. Das zeigt doch, welchen Stellenwert dieses Thema für die SPD hat!

Das einzige, was sich bei der SPD mit Sicherheit wandelt, das sind ihre rhetorischen Bekenntnisse. Sicherheitspolitik verträgt aber kein heute so, morgen so.

Sicherheit braucht Kontinuität und Glaubwürdigkeit!

Sicherheit braucht Kompetenz und Verläßlichkeit!

Dafür stand und steht die CSU. Wir haben die Bedeutung von Militär und Polizei für die Freiheit und Sicherheit unserer Gesellschaft nie in Frage gestellt. Für uns war Law and Order, Recht und Sicherheit, auch nie ein Schimpfwort.

Und deshalb bin ich zwar erstaunt, aber freue mich auch über die unglaubliche Wandlungsfähigkeit von Otto Schily und Joschka Fischer. Sie vertreten heute vielfach das glatte Gegenteil dessen, wofür sie früher gestanden haben und wofür der überwiegende Teil der Grünen heute noch steht.

Diese Zerreißprobe muß man sich einmal vorstellen. Das wäre, als wenn ich morgen den Austritt Deutschlands aus der Nato fordern oder antiamerikanische Demonstrationen organisieren würde. Die Grünen können eine solche Zerreißprobe nicht auf Dauer bestehen und deshalb ist kein Verlaß, daß Rot-Grün in der Sicherheitspolitik, wenn es darauf ankommt, auch wirklich steht. Das ist der entscheidende Unterschied: Wir standen und stehen für Verläßlichkeit in der Sicherheitspolitik.

Sicherheit hat einen Namen in Deutschland: Das ist die CSU mit ihren starken Innenministern von Fritz Zimmermann bis heute Günther Beckstein.

Bayern ist seit Jahren das sicherste Land in Deutschland.

Das soll so bleiben! Zum Schutz vor der neuen terroristischen Bedrohung werden wir deshalb 890 zusätzliche Stellen vor allem bei Polizei, Justiz und Verfassungsschutz schaffen und 150 Millionen Mark für die Optimierung der technischen Ausstattung unserer Sicherheitsbehörden bereitstellen. Damit stellen wir bis 2006 rund 400 Millionen Mark zusätzlich für die innere Sicherheit bereit, soviel wie kein anderes Land in Deutschland! Wir werden dieses Programm im übrigen durch Einsparungen, ohne eine Erhöhung der Neuverschuldung finanzieren!

 

Meine Damen und Herren!

Das zeigt: Bayern packt an für die Sicherheit. Lassen Sie mich nochmals unterstreichen: Wer bei diesen unerläßlichen Maßnahmen für mehr Sicherheit das Bild vom Überwachungsstaat an die Wand malt, der hat nichts verstanden. Wir stehen nicht vor der Alternative: Mehr Sicherheit oder mehr Freiheit, sondern wir brauchen mehr Sicherheit für die Freiheit.

 

Meine Damen und Herren!

Wir wollen, daß Deutschland auch eine offene Gesellschaft bleibt. Wir sind ein ausländerfreundliches Land. Wir sind ein reisefreudiges und an anderen Kulturen interessiertes Volk. Doch nur wenn Menschen sich sicher fühlen, können sie auch offen

sein. Sicherheit darf nicht der Preis für die Offenheit sein! Daran hat die CSU nie einen Zweifel gelassen! Der Anschlag vom 11. September und die Tatsache, daß er maßgeblich auch in Hamburg geplant wurde, zeigt doch ganz deutlich:

Wir müssen – ob uns das gefällt oder nicht – stärker kontrollieren, wer in unser Land kommt.

Nach Angaben der Verfassungsschutzbehörden leben in Deutschland 31.000 islamistische Extremisten. Viele davon sind gewaltbereit. Wir brauchen neue gesetzliche Regeln für eine erleichterte Ausweisung. Diese Leute wollen wir in Deutschland nicht haben!

Wir brauchen auch endlich bundesweit die Regelanfrage beim Verfassungsschutz vor einer Einbürgerung. In Bayern machen wir das seit Jahren - mit Erfolg. Wir konnten seit 1998 die Einbürgerung von über 200 ausländischen Extremisten verhindern. Rot-Grün hat das bekämpft und lächerlich gemacht. Von Gesinnungs-TÜV war da sogar die Rede. Das zeigt, welche Traumtänzer da noch zu Gange sind! Die Regelanfrage muß bundesweit Gesetz werden! Im Entwurf von Bundesinnenminister Schily für ein Zuwanderungsgesetz sucht man solche Regelungen bislang vergebens. Da muß Schily in seinem Gesetzentwurf noch gewaltig nachlegen!

 

Meine Damen und Herren,

Schily blendet in seinen Vorstellungen für ein Zuwanderungsgesetz auch einen anderen entscheidenden Aspekt aus. Er will eine grundlegende Umgestaltung Deutschlands zum Einwanderungsland – ohne Rücksicht auf die Integrationsfähigkeit.

Für die CSU steht aber fest:

Wir brauchen Integration und Zusammenhalt, keine multikulturelle Gesellschaft.

Dabei ist Integration mehr als das selbstverständliche Bekenntnis zur Verfassung. Integration heißt auch: Anerkennung unserer Leitkultur. Sprachkompetenz, Toleranz gegenüber unseren Werten - das ist unverzichtbar für ein harmonisches Zusammenleben.

Das heißt nicht völlige Assimilierung, das will ich hier betonen.

Ein Beispiel: Wir haben nicht umsonst in Bayern den Islamunterricht in deutscher Sprache eingeführt. Wir wollen damit vermitteln: Bewußtsein der eigenen Wurzeln und Respekt vor der anderen Kultur, aber auch Eingliederung in die deutsche Gesellschaft, Respekt vor den Werten der neuen Heimat und eine Absage an religiösen Fundamentalismus.

Erfolgreiche Integration setzt immer die Fähigkeit der aufnehmenden Gesellschaft zur Integration voraus. Schon heute hat Deutschland den größten Ausländeranteil innerhalb der EU! Wir integrieren jedes Jahr rund eine halbe Million Menschen aus anderen Ländern und Kulturen - eine Stadt in der Größe von Dortmund oder Nürnberg!

Da ist für die Mehrheit der Bürger doch eine Grenze erreicht.

Zu diesem entscheidenden Punkt - den Fragen der Integration - schweigt Schily. Und Schily übersieht auch: Bei nahezu vier Millionen Arbeitslosen in Deutschland gibt es derzeit – abgesehen von Höchstqualifizierten in Mangelberufen – keinen nennenswerten Spielraum für Arbeitsmigration! Deshalb brauchen wir nicht mehr Zuwanderung, sondern weniger Zuwanderung, die die Sozialsysteme belastet, und dafür Spielraum für die Zuwanderung Höchstqualifizierter schafft.

Bundesinnenminister Schily behauptet, das genauso zu sehen. Sein Gesetzentwurf steht dem Ziel einer Zuwanderungsbegrenzung aber diametral entgegen! Schily will eine grundlegende Umgestaltung Deutschlands zum Einwanderungsland!

Der Gesetzentwurf läßt offen, wie viel Zuwanderung zugelassen wird. Eine Gesamtquote fehlt. Wirksame Regeln zum Asylmißbrauch fehlen, dagegen sollen Bleiberechte aus humanitären Gründen großzügiger als bisher verteilt werden. Deutschland wird damit für Flüchtlinge weltweit noch attraktiver.

Auch die Regelungen zum Familiennachzug führen zu mehr Zuwanderung. So will Schily den Kreis der Nachzugsberechtigten erweitern. Künftig dürfte ein Drogendealer aus einem islamischen Land, dessen Aufenthalt in Deutschland bisher wegen der in der Heimat drohenden Todesstrafe nur geduldet wird, auch seine Familie nach Deutschland holen.

Das ist doch Wahnsinn! Dazu wird die CSU niemals die Hand reichen!

 

Meine Damen und Herren!

Wir haben uns auf diesem Parteitag sehr eingehend mit den Fragen der Sicherheit und den Konsequenzen des Anschlags vom 11. September beschäftigt. Wir haben dafür unser ursprüngliches Programm geändert, weil wir als Partei natürlich Antworten geben müssen auf so gravierende Herausforderungen. Das erwarten die Menschen zu Recht von uns.

Sicherheit darf aber nicht unser einziges Thema sein. Sie erwarten auch zu Recht von der Politik, daß sie Antworten auf die wirtschaftlichen Herausforderungen gibt: Bekämpfung der Arbeitslosigkeit, Bewahrung der sozialen Sicherheit. Und wir müssen auch sehen: Nur ein wirtschaftlich starkes Land kann es sich leisten, mehr für die innere und äußere Sicherheit zu tun.

Doch die Bilanz von Rot-Grün beim Wirtschaftswachstum, bei der Schaffung von Arbeitsplätzen und beim Erhalt der sozialen Sicherheit ist deprimierend. Deutschland steht am Rande einer Rezession, und das nicht erst seit dem 11. September. Bereits zu Jahresbeginn hat sich das Wirtschaftswachstum in Deutschland deutlich verlangsamt. Die Wirtschaftsforschungsinstitute haben ihre Prognosen Schritt für Schritt auf zuletzt nur noch 1 Prozent Wachstum nach unten korrigiert. Inzwischen erscheint auch dies nicht mehr erreichbar. Deutschland ist damit Wachstumsschlußlicht in Europa. Wir wirken als Bremse für die Konjunktur in den EU-Staaten.

Die Zahl der Gewerbeanmeldungen ist bereits seit dem Amtsantritt von Rot-Grün rückläufig. Auch in der ersten Jahreshälfte ist sie mit minus 3,4 % weiter gesunken. Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland steigt. Unsere Nachbarländer Frankreich, Italien, die Niederlande und anderen europäische Staaten haben die Arbeitslosigkeit gesenkt. In Deutschland dagegen waren mit über 3,7 Millionen im September dieses Jahres mehr Menschen arbeitslos als ein Jahr zuvor. Und das, obwohl Gerhard Schröder angekündigt hat, die Arbeitslosigkeit auf „deutlich unter 3,5 Millionen“ zu senken – die nach seinen eigenen Worten zentrale Meßlatte für die Beurteilung seiner Regierung.

Gerhard Schröder war es, der sich „jederzeit und nicht erst in vier Jahren“ daran messen lassen wollte, was er zum Abbau der Arbeitslosigkeit beigetragen hat.

Wir werden ihn daran messen, darauf kann er sich verlassen!

Gerhard Schröder war es, der gesagt hat: „Wenn wir es nicht schaffen, die Arbeitslosenquote signifikant zu senken, dann haben wir es weder verdient, wiedergewählt zu werden, noch werden wir wiedergewählt.“ 

Auch daran werden wir ihn zu gegebener Zeit erinnern! Wir werden ihn nicht aus der Verantwortung für sein Versagen beim Abbau der Arbeitslosigkeit entlassen!

Wenn Deutschland beim Abbau der Arbeitslosigkeit deutlich schlechter vorankommt als unsere Nachbarländer in der EU, dann liegt das nicht daran, daß die deutschen Unternehmen eine geringere Einstellungsbereitschaft haben als andere, sondern daß sie von Rot-Grün schlechtere Rahmenbedingungen geboten bekommen!

Rot-Grün hat die Wachstumskräfte nicht gestärkt, sondern geschwächt.

Rot-Grün hat den Arbeitsmarkt nicht mehr, sondern weniger flexibel gemacht.

 

Meine Damen und Herren!

Was müßte denn eine verantwortlich handelnde Regierung tun, die die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit zur obersten Meßlatte ihres Erfolges gemacht hat?

Wir haben dazu heute ein umfassendes Programm verabschiedet. Vielen Dank, Otto Wiesheu, für diese klare wirtschaftspolitische Kursbestimmung!

Wer mehr Arbeitsplätze schaffen will, der muß vor allem die Wachstumskräfte stärken.

Dazu brauchen wir aber dringend Reformen und gerade nicht die Politik der „ruhigen Hand“, die der Bundeskanzler propagiert.

Dazu muß die Steuerreform vorgezogen werden. Jetzt müssen Arbeitnehmer und Mittelstand entlastet werden, nicht erst 2005. In vier Jahren kommt die Entlastung zu spät, um neue Wachstumsdynamik zu schaffen.

Bürger und Unternehmen zahlen ja heute bereits trotz der angeblich „größten Steuerreform aller Zeiten“ 60 Milliarden mehr Steuern als 1998. Bis 2005 wird es ein Vielfaches davon sein. Die Steuerquote steigt! Doch statt die Steuerlast zu senken, erhöht der Bundesfinanzminister zur Finanzierung der aktuellen sicherheitspolitischen Maßnahmen sogar noch die Tabak- und die Versicherungssteuer, nach seinen Angaben um drei, tatsächlich aber um rund sechs Milliarden Mark.

Was für ein Wahnsinn, mitten in einer wirtschaftlichen Krise die Steuern zu erhöhen. Hat Rot-Grün denn aus der Erfahrung mit der Ökosteuer nichts gelernt, die trotz explodierender Ölpreise weiter nach oben getrieben wurde?

Andere Länder haben Steuern gesenkt, Rot-Grün hat sie erhöht. Kein Wunder, daß wir das Schlußlicht in Europa beim Wachstum und bei der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit sind. Dieser Regierung fehlt die wirtschaftspolitische Kompetenz!

 

Meine Damen und Herren!

Für eine Stärkung der Wachstumskräfte muß gerade auch der Mittelstand stärker entlastet werden. Dieser entscheidende Motor für Innovation und Beschäftigung zahlt heute einen Spitzensteuersatz von 48,5 %. Großunternehmen dagegen, die in den letzten Jahren Arbeitsplätze abgebaut haben und wöchentlich neue Massenentlassungen melden, zahlen heute nur noch 25 % Körperschaftsteuer. Das ist eine krasse Benachteiligung!

Wir fordern: Rot-Grün muß endlich Abschied nehmen von der Fixierung auf die großen Kapitalgesellschaften und auch die mittelständischen Unternehmer entlasten, die mit hohem persönlichen Risiko und einem enormen Arbeitseinsatz neue Arbeitsplätze schaffen und das Rückgrat unser Wirtschaft sind!

 

Meine Damen und Herren!

Für eine Stärkung der Wachstumskräfte müssen wir mehr in unsere Zukunft investieren, statt – wie Rot-Grün - die Subventionen und andere konsumtive Ausgaben hoch zu halten und bei den Investitionen zu kürzen.

Rot-Grün fährt die Investitionsquote im Bundeshaushalt dramatisch zurück! 1998 lag sie noch bei noch 12,5 Prozent, 2005 werden es nur noch 10,3 Prozent sein - der niedrigste Stand seit Gründung der Bundesrepublik. Das heißt:

Weniger Mittel für notwendige Infrastrukturmaßnahmen.

Weniger Mittel für Forschung und Bildung.

Weniger Mittel für den Aufbau Ost.

Das ist nicht das, was wir uns unter einer Politik zur Sicherung unserer Zukunftschancen vorstellen.

Die SPD propagiert: „Sicherheit im Wandel“: Der Kahlschlag bei den Investitionen schafft aber garantiert keine Sicherheit im Wandel, im Gegenteil:

So werden wir den Wandel mit Sicherheit nicht bewältigen.

Wir brauchen endlich wieder eine Politik, die anpackt für die Zukunft Deutschlands, die Steuern senkt und mehr investiert in unsere Zukunft!

Rot-Grün begegnet diesen Forderungen immer mit dem Totschlagargument, das sei alles nicht zu finanzieren. Dieser Einwand geht doch an der Realität völlig vorbei.

Wir haben gar nicht die Alternative Schulden abzubauen oder Steuern zu senken.

Wir haben gar nicht die Alternative Schulden abzubauen oder zu investieren.

Schröders Politik der ruhigen Hand ist doch längst gescheitert!

Man muß sich die Bilanz von Herrn Schröder und Herrn Eichel ja nur einmal ansehen: Das Wachstum geht zurück, die Arbeitslosigkeit steigt. 100.000 Arbeitslose mehr kosten Staat und Sozialversicherungen jährlich rund 3,7 Milliarden Mark. Die Belastungen für den Staatshaushalt werden immer mehr und die Schulden werden immer höher. Nur wer rasch die Steuern senkt und in die Zukunft investiert, nur wer für mehr Wachstum und mehr Beschäftigung sorgt, kann auch die Staatsverschuldung nachhaltig zurückführen.

Das zeigen die Erfahrungen in den USA, in Großbritannien, in Dänemark und anderen Staaten mit positiven Haushaltsüberschüssen. Das zeigt aber auch die Erfahrung in Bayern. Wir haben die geringste Schuldenlast aller Länder in Deutschland, und zwar nicht obwohl, sondern weil wir auch gleichzeitig die höchste Investitionsquote und damit das stärkste Wachstum und die geringste Arbeitslosigkeit haben.

Wir müssen den Bürgerinnen und Bürgern noch deutlicher sagen, wer für was steht. Rot-Grün hat nicht die wirtschaftliche Kompetenz!

 

Meine Damen und Herren!

Eine Regierung, die sich für die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit wirklich verantwortlich fühlt, müßte nicht nur für mehr Wachstumsdynamik sorgen. Sie müßte auch dafür sorgen, daß Wachstum auch zu mehr Beschäftigung führt.

Rot-Grün hat die Arbeitsmarktflexibilität Schritt für Schritt verringert:

durch die Verschärfung des Kündigungsschutzes, durch die Neuregelung der 630-Mark-Jobs, durch die Einführung des generellen Teilzeitanspruchs, durch die restriktiven Regelungen für befristete Verträge.

Diese Einstellungshürden müssen wir wegräumen!

Wir müssen die Flächentarifverträge für betriebliche Beschäftigungsbündnisse öffnen – mit Rot-Grün nicht zu machen. Wir müssen Kombilohnregelungen einführen – mit Rot-Grün nicht zu machen. Wir müssen mit einem Programm 3 x 40 die Abgabenbelastung der Arbeit senken: Absenkung des Spitzensteuersatzes auf maximal 40 %, Absenkung des Staatsanteils am Sozialprodukt auf maximal 40 %, Absenkung der Sozialversicherungsbeiträge auf maximal 40 %. Mit Rot-Grün werden wir das nicht erreichen.

Der Spitzensteuersatz bleibt deutlich über 40 %. Die Staatsquote ist gestiegen, statt gesunken. Die Sozialabgabenlast steigt. Kein Wunder, bei der völlig mißlungenen Gesundheitsreform, die bis Jahresende die Krankenversicherungsbeiträge geradezu explodieren läßt. Der Gesamtbeitrag zur Sozialversicherung wird damit auf mindestens 41,3 % steigen. Wenn Rot-Grün die versprochene Absenkung auf 40 % wirklich umgesetzt hätte, dann hätten wir zwischen 200.000 und 300.000 Arbeitslose weniger.

Das ist die traurige Wahrheit über Schröders Politik zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit. Keine der Maßnahmen, die die Arbeitslosigkeit wirksam senken könnten, wird von Rot-Grün wirklich umgesetzt! Es ist kein Wunder, wenn Schröder heute die mickrigste Arbeitsmarktbilanz in der gesamten EU vorzuweisen hat! Da kommen sogar die Kommentatoren von der ansonsten der Bundesregierung eher gewogenen Süddeutschen

Zeitung nicht darum herum, zu etwas drastischeren Worten zu greifen: „Schröders Desaster“ lautete die Überschrift des Wirtschaftskommentars diesen Montag. Wir fordern: Schröder muß endlich die Konsequenzen aus diesem Desaster ziehen!

 

Meine Damen und Herren!

Die Arbeitslosen wollen keine leeren Versprechungen, sie wollen, daß endlich jemand die Probleme anpackt!

Wir dürfen es nicht länger hinnehmen, daß Rot-Grün eine Arbeitslosigkeit von fast vier Millionen in Deutschland quasi als schicksalhaft betrachtet. Das ist weder wirtschaftlich noch menschlich tragbar.

Und ich sage gerade an die Adresse der Sozialdemokraten: Das ist unsozial!

Doch wir prangern nicht nur an, wir fordern nicht nur, sondern wir zeigen in Bayern auch glaubwürdig, daß es und wie es zu schaffen ist. Bayern hat – zusammen mit Baden-Württemberg – die niedrigste Arbeitslosenquote in Deutschland. Ein Viertel der im letzten Jahr in Deutschland neu geschaffenen Arbeitsplätze ist in Bayern entstanden. Bayern bietet seinen Jugendlichen die besten Ausbildungs- und Zukunftschancen.

Natürlich sind auch wir von den schlechten bundespolitischen Rahmenbedingungen und vom derzeitigen Konjunktureinbruch betroffen. Aber Bayern war in den vergangenen Jahren die Wachstumslokomotive in Deutschland. Ohne Bayern und die ebenfalls in der Spitzengruppe beim Wirtschaftswachstum liegenden Nachbarländer Baden-Württemberg und Hessen sähe Schröders Bilanz noch viel düsterer aus.

Zu diesem Erfolg Bayerns hat unsere konsequente Politik zur Stärkung der Wachstumskräfte und zur Schaffung neuer Arbeitsplätze wesentlich beigetragen:  

Wir haben mit hohen Investitionen eine moderne Infrastruktur aufgebaut. Kein Land hat einen so hohen Anteil der Investitionen an den staatlichen Ausgaben wie Bayern: 16,4 % (im Jahr 2000). Vielen Dank Kurt Faltlhauser für diese hervorragende Haushaltspolitik. Der bayerische Staatshaushalt ist gesund.

Wir haben unsere Privatisierungserlöse dafür eingesetzt, ein bundesweit beispielloses, mit weit über acht Milliarden Mark ausgestattetes Programm zur Zukunftssicherung des Wirtschafts- und Beschäftigungsstandorts Bayern umzusetzen. Vielen Dank an dieser Stelle meinem Leiter der Staatskanzlei, Erwin Huber. Er hat wesentlichen Anteil daran, daß Bayern mit der High-Tech-Offensive in allen Landesteilen weiter vorangekommen ist.

Wir haben die Leistungsfähigkeit und Innovationskraft unserer mittelständischen Betriebe gefördert.

Wir haben Existenzgründerzentren geschaffen und einen Risikokapitalfonds aufgelegt.

Wir verbessern Schritt für Schritt unser Bildungssystem: Hochschulreform, Reform des Gymnasiums, R6, M-Züge und Praxisklassen an den Hauptschulen, Fremdsprachenangebot an den Grundschulen, um nur die Stichworte zu nennen. Allein in diesem und im kommenden Jahr stellen wir insgesamt 10.000 neue Lehrer ein. Vielen Dank Hans Zehetmair und Monika Hohlmeier für diesen konsequenten Reformkurs zugunsten des wichtigsten Zukunftsfaktors, den wir haben.

 

Meine Damen und Herren!

Bayern ist aber mehr als High-Tech, Wirtschaft und Arbeitsplätze. Wir sorgen auch dafür, daß Bayern lebens- und liebenswert bleibt.

Dazu gehört ganz zentral unser Einsatz für die Bewahrung unserer herrlichen Natur. Vielen Dank an dieser Stelle an unseren Umweltminister, Werner Schnappauf, der die Nachhaltigkeit zur konsequenten Richtschnur seiner Politik gemacht hat.

Letztes Jahr wurde der 1995 gegründete Umweltpakt fortgeschrieben. Damit bleibt Bayern Vorreiter bei der Kooperation von Staat und Wirtschaft im Umweltschutz in Deutschland und Europa.

Wir wollen unser Bayern so schön an unsere Kinder weitergeben können, wie es heute ist.

Deshalb sorgen wir uns auch ganz besonders um den Erhalt der bäuerlichen Landwirtschaft, die den Charakter Bayerns wesentlich prägt. Wir wissen um ihre Bedeutung, die weit über die Erzeugung von Nahrungsmitteln hinaus geht. Sie sorgt für den Erhalt unserer Kulturlandschaft und sie ist nicht weniger als die Seele Bayerns. Deshalb haben wir wie kein anderes Land in Deutschland auf die BSE-Krise schnell und umfassend reagiert. Mit unserem 600-Millionen-Mark Programm für die Landwirtschaft und den Verbraucherschutz haben wir

Soforthilfe für die Bauern geleistet, das Verbrauchervertrauen wieder gestärkt und die Grundlage für eine nachhaltig gesunde Landwirtschaft und sichere Nahrungsmittel gelegt.

Gesunde und bezahlbare Lebensmittel für alle, dazu brauchen wir nicht nur ökologisch sondern auch konventionell wirtschaftende Landwirte, dazu brauchen wir gläserne Produktionsketten und eine Neuorientierung der Agrarpolitik vor allem auch auf europäischer Ebene. Wir haben zur Bewältigung dieser Herausforderung getan, was in unseren Kräften steht und ich danke Josef Miller und Eberhard Sinner für ihre großartige Leistung in dieser Krise.

Unsere Reaktion auf diese Herausforderung zeigt auch, wie wichtig es ist, daß wir in Bayern eine starke Wirtschaft und einen gesunden Staatshaushalt haben.

Rot-Grün hat bis heute noch nicht den Beitrag des Bundes zur notwendigen Kostenübernahme geleistet, obwohl der Kanzler fast einer Milliarde zugesagt hatte. Das neue Ökosiegel bleibt weit hinter den notwendigen Anforderungen zurück. Das Tiermehlverbot wurde nicht auf Dauer durchgesetzt.

Es ist ein Armutszeugnis, das die zuständige Ministerin Künast nach ihrem forschen Antritt bis heute abgelegt hat!

 

Meine Damen und Herren!

Unsere wirtschaftliche und finanzielle Kraft werden wir auch zur Bewältigung einer anderen großen Herausforderung brauchen. Wenn Bayern ein lebens- und liebenswertes Land bleiben soll, wenn wir auch in Zukunft eine vitale, kreative und dynamische Gesellschaft sein wollen, dann müssen wir mehr für unsere Familien tun.

Drei Viertel der Bevölkerung sagen, daß sie nur in einer Familie mit einem oder mehreren Kindern glücklich leben können. Trotzdem erfüllen sich viele junge Frauen und Männer diesen Kinderwunsch aber nicht.

Wir müssen alles tun, damit in Zukunft mehr Menschen nicht nur vom Familienglück träumen, sondern diesen Traum auch Wirklichkeit werden lassen.

Wir müssen alles tun, damit sie für eine so fundamentale Lebensentscheidung auch die Bedingungen vorfinden, die sie wünschen und brauchen. Es stellt sich immer mehr heraus, daß dies angesichts der Vielfalt der Lebenssituationen vor allem ein geeignetes Betreuungsangebot ist. Immer häufiger wollen oder müssen beide Eltern erwerbstätig sein, immer häufiger zerbrechen Beziehungen und sind Alleinerziehende auf fremde Hilfe angewiesen, immer häufiger sind Eltern mit der Erziehung allein überfordert und nicht in das soziale Netz enger Verwandter oder Freunde eingebunden.

Die Lebenswirklichkeit vieler Familien hat sich in den letzten Jahrzehnten grundlegend geändert. Ich weiß, daß es auch in unseren Reihen vielen nicht leicht fällt, diese Veränderungen zu akzeptieren. Dennoch muß die Politik darauf reagieren.

Wir werden in Bayern deshalb eine große Anstrengung unternehmen, diesen veränderten Bedürfnissen der Familien Rechnung zu tragen und ein passendes Betreuungsangebot zu schaffen. An dieser Stelle möchte ich in besonderem Maße Barbara Stamm danken.

Wie Günther Beckstein für die Sicherheit steht Barbara Stamm für das soziale Gewissen der CSU. Sie hat auch unsere Familienoffensive maßgeblich eingeleitet. Und vielen Dank Christa Stewens, die diese Aufgabe weiter erfolgreich vorantreibt.

Wir werden 30.000 neue Kinderbetreuungsplätze in allen Altersstufen schaffen. Die Staatsregierung wird dazu zwischen 2002 und 2006 insgesamt 500 Millionen Mark zusätzlich für Personal und zusätzlich 100 Millionen Mark für Bauinvestitionen zur Verfügung stellen.

Dabei muß unsere Leitlinie lauten: Wahlfreiheit.

Die Eltern sollen frei wählen können, ob sie Familie und Erwerbstätigkeit vereinbaren wollen oder ob sich ein Elternteil ausschließlich der Kinderbetreuung widmen will. Sie sollen frei wählen können, ab welchem Alter sie ihr Kind einer fremden Betreuung anvertrauen wollen. Sie sollen frei wählen können, welche Betreuungsform sie für ihr Kind vorziehen.

Mit diesem Programm zur Verbesserung des Betreuungsangebots ändern wir nicht unsere familienpolitischen Grundsätze, aber wir tragen der veränderten gesellschaftlichen Wirklichkeit Rechnung.

Das ist genau das Prinzip, das uns auch bei all den anderen Erneuerungsprozessen geleitet hat, die wir als Partei in den letzten 50 Jahren vollzogen haben: Konsequentes Bewahren unserer festen Werte und Grundüberzeugungen Sensibilität und Offenheit gegenüber neuen Entwicklungen, vorausschauendes, entschlossenes und kraftvolles Gestalten einer neuen Wirklichkeit.

Lassen Sie mich in diesem Zusammenhang den Satz zitieren, den Franz Josef Strauß zu Recht immer wieder betont hat und der auch für mich zur Leitlinie meiner politischen Arbeit geworden ist:

„Eine Partei, die sich nicht erneuert, wird vom Wähler erneuert.“

 

Meine Damen und Herren!

Diese Bereitschaft und Fähigkeit zur kontinuierlichen Erneuerung hat unsere Partei immer ausgezeichnet und zu unseren großen Erfolgen wesentlich beigetragen.

Keine andere Partei in Europa hat über Jahrzehnte hinaus Politik so erfolgreich und kontinuierlich gestaltet wie die CSU.

Keine andere Partei in Europa hat über Jahrzehnte Wahl für Wahl das Vertrauen und die Zustimmung von deutlich über 50 % der Menschen gewinnen können.

Das verdanken wir einer Politik, die immer wieder die Sensibilität und die Weitsicht hatte, neue Herausforderungen zu erkennen und die die Kraft hatte, sie anzunehmen und sie zu bewältigen.

Wir verdanken es einer Politik, die nie ihre klare und verläßliche Orientierung an ihrem festen Wertefundament des christlichen Glaubens und Menschenbildes in Frage gestellt hat.

Wir verdanken es unserer Struktur als echte Volkspartei, in der alle Gruppen der Gesellschaft: Junge und Alte, Männer und Frauen, Arbeitnehmer und Selbständige, Bauern und Handwerker, ihre politische Heimat gefunden haben. Und ich möchte hier gerade auch den Vorsitzenden unserer Arbeitsgemeinschaften und Arbeitskreise Dank sagen, stellvertretend Markus Söder und Maria Eichhorn, die die mit der Jungen Union und der Frauenunion die größten dieser Arbeitsgemeinschaften leiten.

Wir können als wirkliche Volkspartei mit Recht sagen: CSU – näher am Menschen. Das gibt uns die Glaubwürdigkeit und die Kraft, diese Politik im ganzen Land überzeugend und wirksam zu vertreten und umzusetzen.

Zur großen Mannschaftsleistung unserer CSU tragen alle bei: die Funktionsträger in unserer Partei, aber auch die vielen Persönlichkeiten, die als Mitglieder und Ehrenamtliche ihre Kraft und ihre Freizeit in den Dienst der Partei stellen.

Sie sind die Basis für den Erfolg der CSU. Ohne Ihre Arbeit und Ihr Engagement, ohne die vielen Stunden, in denen Sie in Ihren Ortsverbänden diskutieren und um Lösungen ringen, in denen Sie am Infostand für unsere Überzeugungen eintreten, Plakate kleben, Veranstaltungen organisieren, wäre dieser Erfolg nicht denkbar. Ich danke allen ganz herzlich!

Ich danke auch unseren Landräten, unseren Oberbürgermeistern und Bürgermeistern, Kreisräten, Stadt- und Gemeinderäten, die gerade jetzt, vor den Kommunalwahlen im März 2002, besonders gefordert sind. Mit den Kommunalpolitikern war ich, zusammen mit dem Landesvorstand, gerade in den letzten Wochen und Monaten immer wieder im intensiven Gespräch. Vielen Dank für die intensive und konstruktive Zusammenarbeit!

Das werden wir fortsetzen.

Ich bitte Sie: Kämpfen Sie im Interesse der Bürgerinnen und Bürger in ihren Landkreisen, Städten und Gemeinden, aber auch im Interesse einer starken Präsenz und Glaubwürdigkeit der CSU vor Ort für unsere gemeinsame Sache.

Die Kommunalwahl am 3. März 2002 ist die nächste große Herausforderung, vor der wir als Partei stehen. Ich werde mich persönlich in über 40 Veranstaltungen mit unseren Kandidatinnen und Kandidaten für die CSU ins Zeug legen.

Die Landesleitung hat diese Kommunalwahl hervorragend vorbereitet. Dafür danke ich dem Team in der Landesleitung, und ganz besonders unserem Generalsekretär, Thomas Goppel. Sein unermüdlicher Einsatz galt nicht zuletzt der Verbesserung der finanziellen Situation unserer Partei. Er hat wesentlich dazu beigetragen, uns für die kommenden Wahlkämpfe kampagnenfähig zu machen.

Politische Professionalität und moderne Parteiarbeit sind heute teurer denn je. Wir stehen im Wettbewerb vor allem mit einer SPD, die als reichste Partei Europas finanziell aus dem Vollen schöpfen kann. Deshalb müssen wir uns um jede Mark bemühen und deshalb war es so wichtig, daß Thomas Goppel bei seiner großen Aufgabe erfolgreich war.

Danken will ich hier auch dem alten und dem neuen Chefredakteur des Bayernkurier, Wilfried Scharnagl und Peter Schmalz. Der Bayernkurier ist auf einem guten Weg. Ich bitte Sie: Unterstützen Sie ihn. Jedes neue Abonnement stärkt die Stimme der CSU in dieser entscheidenden Zeit.

Mein Dank gilt der Landtagsfraktion, allen voran ihrem Vorsitzenden Alois Glück, der mit großem Gespür für die wichtigen Themen seine Rolle als Vordenker und Integrator ausfüllt. Besonderen Dank, lieber Alois, auch für deine hervorragende Arbeit als Leiter der Grundsatzkommission.

Ich danke allen Mitgliedern des Bayerischen Kabinetts für ihren großartigen Einsatz. In keinem Kabinett in Deutschland sind so viele Köpfe, die bundesweit bekannt und respektiert sind.

Mein Dank gilt der Landesgruppe, die gerade im letzten Jahr entscheidend zur Stabilität der Union in Berlin beigetragen hat. Besonderen Dank vor allem dir, lieber Michael Glos, für die Verläßlichkeit und Kompetenz, mit der du unsere Partei in Berlin vertrittst. Vielen Dank auch Horst Seehofer: Du gibst unserer Sozialpolitik Profil in Berlin und führst mit großem Erfolg die Arbeitnehmerunion der CSU.

Ich danke der Europagruppe der CSU mit Markus Ferber an der Spitze. Ihr seid die kompetenten Sachwalter unserer Interessen in Brüssel. Eure gute Arbeit wird immer bedeutender, weil mehr und mehr Entscheidungen in Brüssel getroffen werden, die auch uns hier in Bayern ganz wesentlich betreffen.

Und beim Stichwort Europa denke ich natürlich an Reinhold Bocklet, der sich kompetent und sicher auf dem Brüsseler Parkett bewegt und die Europapolitik der Staatsregierung gestaltet und vertritt. Lassen Sie mich hier stellvertretend für alle anderen, die in der Parteiführung Verantwortung tragen, meinen Stellvertretern danken: Monika Hohlmeier, Barbara Stamm, Ingo Friedrich und Horst Seehofer.

Es ist keine Floskel, wenn ich sage: Ich bin stolz auf diese Partei und ich bin stolz darauf, daß ich sie in den vergangenen zwei Jahren als Parteivorsitzender repräsentieren durfte. Heute lege ich mein Amt in Ihre Hände zurück.

Wir stehen in den nächsten beiden Jahren vor herausragenden Aufgaben, die von uns allen ein Höchstmaß an Einsatz, an Überzeugungskraft, an Mut und an Zuversicht erfordern. Ich will mich weiterhin gern mit all meiner Kraft für diese Partei, für ihre Werte, für ihre Politik und für ihren Erfolg einsetzen und bitte Sie deshalb heute für die kommenden zwei Jahre um Ihr Vertrauen.

Liebe Parteifreundinnen und Parteifreunde! Die kommenden zwei Jahre werden keine leichten Jahre sein. Wir stehen vor Herausforderungen, die wir vor wenigen Jahren noch nicht einmal erahnen konnten. Es geht nicht nur um unsere wirtschaftliche Stabilität, um Arbeitsplätze, um soziale Sicherheit. Es geht vor allem auch um die Sicherheit der Menschen in diesem Land.

CDU und CSU waren immer der Garant dieser Sicherheit. Dafür haben uns Millionen von Wählerinnen und Wählern über Jahrzehnte ihr Vertrauen geschenkt. Dieses Vertrauen werden wir in Zukunft aber nur dann wieder bekommen, wenn wir ein Bild der Geschlossenheit abgeben. Wir müssen uns immer bewußt sein, daß wir nur als Mannschaft gut sind. Geschlossenheit und Teamgeist sind die unabdingbaren Voraussetzungen für den Erfolg. Das gilt für die CDU genauso wie für die CSU.

Jeder muß sich im Klaren darüber sein: Wer dieses Bild der Geschlossenheit stört, der schadet nicht nur der Union.

Er schadet der wirtschaftlichen Stabilität und Sicherheit in diesem Land. Er schadet der Zukunft Deutschlands.

Wir haben die Kompetenz, wir haben die Glaubwürdigkeit und wir haben das Vertrauen der Menschen in diesen alles entscheidenden Fragen. Und wenn wir geschlossen sind, dann haben wir deshalb auch alle Chancen, in Bayern und in Deutschland.

Packen wir’s gemeinsam an!