Offener Brief von Mitgliedern und Freunden der CDU

  

An den Landesvorstand der Sächsischen Union und an die CDU-Fraktion des Sächsischen Landtages

  

Am 3. Oktober 2000 jährt sich der Tag der Wiedervereinigung Deutschlands zum zehnten Mal. Die Ausrichtung des diesjährigen Staatsaktes obliegt turnusgemäß dem Freistaat Sachsen.

Zu einem so herausragenden Anlaß wäre es angemessen, ja selbstverständlich gewesen, den Staatsmann als Redner einzuladen, der sich um die Verwirklichung der Deutschen Einheit in besonderem Maße verdient gemacht hat: Bundeskanzler a.D. Dr. Helmut Kohl.

Wir sind bestürzt und verärgert, daß dies nicht geschehen ist.

Wir müssen Presseberichten entnehmen, daß die Sächsische Staatsregierung statt dessen Redner eingeladen hat, die allesamt der Einheit Deutschlands vor zehn Jahren eher skeptisch und zaghaft, wenn nicht ablehnend gegenüberstanden. Auch öffentliche Kritik und der Wunsch vieler Bürger, Dr. Helmut Kohl als Redner einzuladen, wurden ignoriert. 

Wir wissen, was nicht nur unser Vaterland, sondern auch jeder Einzelne von uns Dr. Helmut Kohl verdankt. In jedem anderen Land der Welt wäre es selbstverständlich gewesen, daß der Kanzler der Einheit zu einem solchen Gedenktag die Hauptrede gehalten hätte.

Wir halten diesen Umgang mit Dr. Helmut Kohl, insbesondere von einer CDU-geführten Landesregierung, für unwürdig und dem bedeutenden Anlaß völlig unangemessen. Mit Unverständnis müssen wir zur Kenntnis nehmen, daß maßgebliche Repräsentanten sowohl der CDU als auch der Landtagsfraktion zu diesem Skandal schweigen. Die persönlichen Verdienste von Dr. Helmut Kohl als Kanzler der Deutschen Einheit werden, so erscheint es in der Öffentlichkeit, nicht einmal von der eigenen Partei hinreichend gewürdigt.

Als CDU-Mitglieder und –Mandatsträger wollen wir uns dafür bei Dr. Helmut Kohl entschuldigen. Wir wollen auch deutlich machen, daß dieses würdelose Taktieren keinesfalls die Meinung der Mitglieder der Sächsischen Union widerspiegelt.

Wir erwarten, daß der Landesvorstand der CDU in Sachsen den Unmut und die Betroffenheit der Parteibasis endlich zur Kenntnis nimmt und gegenüber der Öffentlichkeit deutlich formuliert. Auch von der  Fraktion der CDU im Sächsischen Landtag erwarten wir eine eindeutige, öffentliche Stellungnahme.

 

Erstunterzeichner:

Alexander Achminow,    Ansbert Maciejewski,    Thomas Stein